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Florian Nöll hat selbst schon mehrere Unternehmen gegründet. Seine Erfahrungen gibt er als Mentor an junge Gründer weiter. UNTERNEHMERTUM

„Wir müssen die Chancen sehen!“

Als Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland engagiert sich der Bundesverband Deutsche Startups für ein gründerfreundliches Deutschland.

Florian Nöll, der Vorsitzende des Verbands, hat gut lachen. Das letzte Jahr sei sehr erfolgreich gewesen. Insbesondere bei den Finanzierungs-Rahmenbedingungen habe man große Fortschritte gemacht, sagt der Wahl-Berliner. Unter anderem habe das Engagement seines Verbands dazu geführt, dass die Verlustverrechnung nun auch für Startups möglich ist. „Ein positives Zeichen für den fairen Wettbewerb“, kommentiert Nöll. Zudem freut er sich darüber, dass die Deutsche Börse ein neues Börsensegment für innovative Wachstumsunternehmen einführen will. Damit werde es einen geeigneten Exit-Kanal geben, der Investitionen in Startups sehr viel attraktiver mache. Und schließlich wertet er es als Erfolg, dass die KfW wieder in Venture-Capital-Fonds investiert und dass der Staat in jene Bresche springt, die private Geldgeber aufgrund mangelnder Wagniskapitalinvestitionen gerissen haben.

Trotz dieser Erfolge hat der „Robin Hood“ der Startups auch für 2017 eine lange To-do-Liste – von der Regulierung von Online-Plattformen bis zur geplanten Implementierung der Datenschutzgrundverordnung. Außerdem fordert Nöll, dass private Investitionen in Startups durch geeignete Maßnahmen induziert werden: „Hierzu zählen in erster Linie steuerliche Anreize. Aber es muss auch darüber nachgedacht werden, ob es etwa nicht auch für große Pensionsfonds sinnvoll wäre, einen höheren Anteil des Fondsvolumens in innovative Startups investieren zu können.“

Deutsche Startups beschäftigen im europäischen Vergleich viele Mitarbeiter – im Durchschnitt zwölf. Auf die Frage, was getan werden müsse, damit sie sich weiter zu Jobmotoren entwickeln können, vertritt Nöll ebenfalls eine klare Meinung: „Wenn man sich aktuelle Forderungen wie die nach einer Herstellerhaftung von Software-Produkten anschaut, wäre ich fast schon gewillt zu sagen, dass die Politik möglichst wenig machen sollte, um etwaigen Schaden zu vermeiden.“ Vielmehr müsse man den Weg der Digitalisierung der deutschen Industrie und des deutschen Mittelstands mutig weiter verfolgen. Beim Aufkommen neuer Geschäftsmodelle benötige man einen optimistischeren Blick auf eben diese: „Wir sollten die Chancen für den Digital-Standort Deutschland, für den Arbeitsmarkt, für Effizienzsteigerungen und ökologischeres Wirtschaften sehen.“ Dabei solle man jedoch nicht vergessen, dass sich die Finanzierungs-Rahmenbedingungen für Startups zweifelsfrei verbessert hätten. „Verglichen jedoch mit dem, wo wir hinwollen und wo andere Startup-Ökosysteme wie etwa das im Silicon Valley oder in Tel Aviv schon längst sind, ist allerdings noch viel Luft nach oben“, betont Nöll. Die Finanzierung in der Gründungsphase, in welcher eher kleinere Summen aufgerufen werden, funktioniere hingegen in Deutschland schon recht gut. Wenn es in die Wachstumsphase ginge, sehe es leider schon schlechter aus. Beispiel: Erreichen die Finanzierungsrunden eines gefestigten Startups Ticketgrößen von 5 bis 15 Millionen Euro, finden sich so gut wie keine deutschen Venture Capitals, die hier mitgehen wollen oder können: Der Großteil des investierten VC-Kapital in der Wachstumsphase kommt nach wie vor von ausländischen VCs.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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