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Norbert Basler, Vize-Präsident Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V (VDMA) PRODUKTION

„Wir brauchen alle Partner der Wertkette des Maschinenbaus“

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V (VDMA) zählt zu den einflussreichsten Wirtschaftsverbänden in Deutschland und Europa. Er vertritt die Interessen der stark mittelständisch geprägten Investitionsgüterindustrie seit nunmehr 125 Jahren. Norbert Basler bekleidet das Amt des Vize-Präsidenten seit 2016.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen der Automationsbranche und was kommt zukünftig auf uns zu?
Auf die Branche wartet die anwendungsgerechte Umsetzung der mit dem Etikett „Industrie 4.0“ benannten Philosophie. Dafür muss sich die Automatisierungsbranche mit den Problemen und Forderungen der Anwender befassen, um die jeweils zutreffenden Lösungen bereitzustellen. Daneben stehen die technischen Veränderungen, die in den kommenden Jahren umzusetzen sind. Sichere drahtlose Kommunikation, geeignete kabelgebundene Netze mit hoher Datenrate und der Anschluss aller regional verteilter Produktionsstätten in Deutschland gehören mit zu den wichtigsten Aufgaben. 

Wie beurteilen Sie den Fortschritt der Digitalisierung im deutschen Maschinenbau?
Die Unternehmen haben in der Breite die Herausforderung der Digitalisierung angenommen. Sie sind also ganz klar im neuen technologischen Jahrhundert angekommen. Trotzdem müssen wir weiter daran arbeiten, insbesondere die vielen mittelständischen Firmen mitzunehmen und zu unterstützen. Wir brauchen alle Partner der Wertschöpfungsketten des Maschinenbaus.

Wie unterstützt der VDMA in diesem Bereich?
Der VDMA nimmt in diesem Transformationsprozess eine zentrale Rolle ein. Nur der Verband kann über seine Netzwerke zu allen Teilbranchen des Maschinenbaus die Unternehmen zusammenbringen. Über die Fachverbände und das VDMA Forum Industrie 4.0 geben wir Impulse und Hilfestellungen zu den zentralen Themen wie Big Data, Datensicherheit, Standardisierung und Arbeit 4.0. Wir vernetzen unsere Firmen untereinander aber auch mit der deutschen Forschungslandschaft. Und wir beschäftigen uns intensiv mit den Chancen, die Startups unseren Firmen bieten und natürlich auch mit der sich abzeichnenden Plattformökonomie.

Welche Rolle spielen heutzutage Industrial Security, Digital Factory und industrielle Bildverarbeitung?
Nicht nur durch Industrie 4.0 entwickelt sich Industrial Security zu einem der ganz wichtigen Themen der Branche. Die gleichzeitige Sicherstellung von Funktionalität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit ist schon für jedes einzelne Unternehmen eine besondere Herausforderung. Vernetzen sich darüber hinaus Lieferanten, Produzenten und Kunden, verflüssigen sich die Unternehmensgrenzen, dann kommt es noch einmal mehr auf Effizienz und Flexibilität an. Die datentechnische Integration der industriellen Wertschöpfungsketten verlangt dabei ein bisher unbekanntes Zusammenspiel von Maschinenbau, Elektrotechnik und IT. In der industriellen Bildverarbeitung ist dieses innige Zusammenwirken schon länger Realität. Von der Prozesskontrolle über „Losgröße 1“ bis zur Mensch-Maschine-Kollaboration – Bildverarbeitung ist ein wichtiger Bestandteil von Industrie 4.0. Der Trend zu Embedded Vision sorgt dabei für eine noch intensivere Integration und eine Vielzahl neuer Anwendungsfelder für Machine Vision.

Da gibt es eine Menge zu tun. Wie steht es um den Nachwuchs an Fachkräften? 
Der Nachwuchsbedarf der Unternehmen ist weiterhin hoch. Bei zurückgehenden Schülerzahlen und dem Trend zum Studium haben vor allem kleine Unternehmen in ländlichen Regionen Probleme, geeignete Auszubildende zu finden. Ein flächendeckender Fachkräftemangel ist im Maschinen- und Anlagenbau aktuell jedoch noch nicht festzustellen. Ziel muss es sein, mehr junge Leute für eine technische Berufsausbildung oder ein technisches Studium zu gewinnen.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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