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„Wer heute im Markt aktiv ist, wird es auch bleiben können“

Mehr Qualität, mehr Sicherheit: Die fortschreitende Automation verändert die Produktionsindustrie rund um den Globus. 

Die Automatisierung kann den Fachkräftemangel nicht kompensieren, aber ein Teil der Lösung sein.

Seit vielen Jahren, so Dr. Norbert Stein, Vorsitzender des Fachverbandes Robotik + Automation im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), entwickle sich die Automationsindustrie kontinuierlich positiv. Die Nachfrage nach Technologien, die eine hohe Präzision im Produktionsprozess ermöglichen, steige im In- und Ausland weiter an. Weltweit, so prognostizierte es die International Federation of Robotics (IFR) im vergangenen September, werden in den kommenden Jahren die Installationszahlen von industriellen Robotern jeweils um durchschnittlich 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Ende 2020 stünden dann drei Millionen Roboter in den Fabrikhallen aller Kontinente. Heute, so zeigen die Statistiken, ist erst die Hälfte davon im Einsatz.

Für die Hersteller von Integrated Assembly Solutions, Industrieller Bildverarbeitung und Robotik, die der VDMA Fachverband Robotik + Automation repräsentiert, wird es also viel zu tun geben. In den ersten Jahren des Umbruchs und der zunehmenden Automatisierung hätten zwar einige Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau angesichts der neuen Herausforderungen an ihre Produkte aufgeben müssen oder seien übernommen worden. „Aber wer heute im Markt aktiv ist, wird es auch bleiben können“, ist sich Dr. Stein sicher. „Eine besonders starke Nachfrage erwarten wir in bisher wenig automatisierten Ländern. Vieles ist ohne Automation nicht mehr zu produzieren.“

Etliche Abläufe seien aufgrund der fortschreitenden Miniaturisierung von Hand nicht machbar und erforderten den Einsatz von hochpräzise arbeitenden Maschinen in der Montage ebenso wie bei Kontrollen im Produktionsprozess: „Automatisierung ermöglicht nicht nur eine hohe Stückzahl bei reduzierten Kosten, sondern gewährleistet auch die Qualität der Produkte und deren Sicherheit“, so Dr. Stein. Ein Beispiel sind Batterien für Elektro- oder Hybridautos: „Es muss sichergestellt sein, dass bei einem Unfall oder auch beim normalen Gebrauch keine Energiemengen freigesetzt werden. Dazu ist ein System zur Schweißnahtprüfung bei Batteriezellen unerlässlich.“

Immer stärker werden die verschiedenen Technologien in Kombination eingesetzt, wenn zum Beispiel Roboter mit dem Bildverarbeitungssystem kommunizieren, um greifen zu können. Nicht ohne Grund hat die Industrielle Bildverarbeitung einen großen Anteil am Wachstum der Branche: „Das ist ein breites Feld mit immer mehr Anwendungen. Überall braucht man ein Auge!“ Mithilfe extrem empfindlicher Kamerasysteme könnten Fehler in der Herstellung umgehend von den Maschinen erkannt, gemeldet und behoben werden, bevor eine ganze Charge produziert sei und teurer Ausschuss entstehe. Durch technische Korrekturen im laufenden Produktionsprozess bei Fehlermeldungen lasse sich auch ein Stillstand des Betriebs vermeiden, wie er bei Reparaturen und Einstellungen von Hand oft erforderlich sei. Die schnellere Kommunikation via Datenübertragung lasse zudem eine Fernwartung zu, die Zeit spare und ein umgehendes Eingreifen ermögliche. „Da muss der Techniker nicht mehr anreisen, um vor Ort den Fehler zu beheben, sondern kann das Problem zum Beispiel über ein Softwareupdate lösen.“

So wie der Servicetechniker künftig stärkere analytische Fähigkeiten benötigen wird, werden sich die Anforderungen an nahezu alle Mitarbeiter in den Betrieben und damit ihre Rollen entsprechend weiter verändern. „Sie werden effizienter eingesetzt, in erster Linie an Schnittstellen oder dort, wo es um Details geht“, sagt der Vorsitzende des VDMA Robotik + Automation. „Bildung und Qualifikationen gewinnen an Bedeutung. Die Arbeitsplätze sind dort, wo es etwas zu denken gibt. Dank seiner kognitiven Fähigkeiten wird der Mensch auch in der Zukunft immer gebraucht werden.“ Schwere, schmutzige oder monotone Arbeit wird dagegen zunehmend von Maschinen übernommen. Neue Entwicklungen wie die „Gamification“, die Interfaces motivierend gestaltet, oder die Integration von Augmented Reality in Arbeitsabläufe werden das „Erlebnis Arbeit“ verändern.

Dass der Mensch entbehrlich wird, ist für Dr. Norbert Stein undenkbar, im Gegenteil: „Deutschland hat die höchste Roboterdichte in Europa, Tendenz weiter steigend. Zugleich steigt die Zahl der Erwerbstätigen weiter an.“ In den nächsten Dekaden würden durch die demografische Entwicklung jedoch viele Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, was den Fachkräftemangel verschärfe: „Die Automatisierung kann das nicht kompensieren, aber zumindest einen Beitrag zur Lösung leisten.“

Fakten

Der VDMA Robotik + Automation ist fachlicher und ideeller Träger der Branchenleitmesse AUTOMATICA: Vom 18. bis 22. Juni 2018 präsentieren Aussteller aus dem In- und Ausland auf dem Messegelände in München erneut innovative Lösungen und wegweisende Schlüsseltechnologien für die Industrie.

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Journalist

Ulrike Christoforidis

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