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Vom Versandhandel in die digitale Revolution

Seit fast zwei Jahren führt Dr. Michael Müller-Wünsch als CIO den neu geschaffenen Vorstandsbereich Technology der OTTO-Einzelgesellschaft. Er ist verantwortlich für die weitere Digitalisierung des Geschäftsmodells. 

Wir glauben an die Grenzenlosigkeit des Internets.

OTTO kennt fast jeder in Deutschland. Vor fast 70 Jahren in Hamburg als Versandhandel für Schuhe gegründet, ist die OTTO-Einzelgesellschaft heute nach „Amazon“ Deutschlands zweitgrößter Händler im Onlinebereich. Dicht gefolgt vom Modeportal „Zalando“. Damit das auch so bleibt, wurde Dr. Michael Müller-Wünsch in den Bereichsvorstand nach Hamburg-Bramfeld geholt. Der Doktor der lngenieurwissenschaften im Bereich der Künstlichen Intelligenz soll die Digitalisierung auf eine neue Ebene bringen. 

„Über 90 Prozent unseres Umsatzes machen wir bereits online. Das ist das Ergebnis eines seit vielen Jahren andauernden Transformationsprozesses. Seit 1995 gibt es die Internetadresse OTTO.de. Da hat damals Michael Otto als Vorstandsvorsitzender schon weit in die Zukunft geblickt. Wir bekommen für unsere heutige Position viel Lob und Anerkennung“, erklärt Dr. Müller-Wunsch den Status Quo.

Die großen Konkurrenten von damals, wie Quelle und Neckermann, sind längst in der analogen Versenkung verschwunden. Neue Mitbewerber drängten auf den Markt. Versehen mit großen Kapitalgebern aus den USA und Asien machen sie OTTO das Leben nicht leicht.

„Amazon hat sicherlich dazu beigetragen, den Weg in die digitale Welt zu ebnen. Aber wir gehen unseren eigenen Weg. Unsere starke Marke und unsere Werte werden uns helfen, auch in der Zukunft unseren Platz zu behaupten und weiter zu wachsen. Als technologieaffines Handelshaus investieren wir zunehmend in den Ausbau unserer Plattform. Die Kernmarke OTTO hat durch mich ein Gesicht für das Thema Technologie bekommen“, beschreibt der Bereichsvorstand Dr. Müller-Wünsch seine Aufgabe.

OTTO.de wird sich dabei weiter verändern. Mit dem Erfolg des Onlineshops hat sich die Rolle des Katalogs gewandelt. Inzwischen kommen immer mehr Besucher und Bestellungen aus der mobilen Welt, also über Smartphones und Tablets. „Die Antwort ist ganz klar: Mithilfe von Technologie werden wir für die Konsumenten immer wieder neue Serviceideen und Produkte entwickeln, von denen wir glauben, dass sie einen Bedarf bedienen, der im Markt existiert. 


In den Call-Centern bei OTTO stehen die Mitarbeiter in einem echten Dialog mit den Kunden, sie beraten bei den Produkten, helfen bei Problemen, machen unter Umständen auch mal eine Modeberatung. Ein Service am Kunden, der mit dem Kataloggeschäft gewachsen und heute ein großer Pluspunkt von OTTO ist.

Doch auch hier wird sich in den nächsten Jahren viel ändern. „Wir wollen die neuen Technologien nutzen, um das Einkaufserlebnis noch besser zu machen“, verspricht der OTTO-CIO. „Das könnte eine Aufbauanleitung per Video sein, oder die Kundin kann ihr neues Kleid virtuell schon mal anprobieren. Wir wollen die Vorstellungskräfte der Konsumenten beflügeln und sie in ihrer Kaufentscheidung bestmöglich unterstützen.“

Auch andere Manager der Otto Group haben die Zeichen der Zeit schon lange erkannt. So wurde mit „About you“ beispielsweise ein ganz junges Portal gelauncht. Vor drei Jahren gestartet, werden hier die Kanäle der Generation Smart Phone in den Vordergrund gestellt. Mehr als drei Millionen User verfolgten über Facebook, Instagram und YouTube die erste Verleihung des About you Awards im Mai dieses Jahres in Hamburg. Auch hier ist der Otto Konzern schon längst in der neuen Welt angekommen.

Die Pläne sind klar für Dr. Michael Müller-Wünsch: „Ich denke, dass wir in zehn Jahren mit Otto.de noch eine größere Internationalität erreichen werden, denn wir glauben an die Grenzenlosigkeit des Internets. Es ist gar nicht entscheidend, dass wir größer als unsere Mitbewerber werden, sondern es geht uns in erster Linie um Relevanz im Lebensalltag der Konsumenten. Wir sind mit dem Wertesystem, für das OTTO steht, in Europa der relevante Player. Übrigens auch für andere Hersteller und Händler, die sich nicht alleine in die Hand eines amerikanischen oder asiatischen Players begeben möchten, und für die wir uns immer mehr öffnen.“ Die Zukunft für Otto.de
 wird spannend werden. „Wir denken über viele neue Formate nach, setzen auf das Thema Mobile Devices und wachsen hier stetig“, verspricht Michael Müller-Wünsch für die nächsten Jahre. 

Den berühmten OTTO-Katalog wird es noch solange geben, wie die Kunden ihn nutzen. Doch hat er heute eine ganz andere Funktion als früher: Er dient längst nicht mehr als Verkaufskanal, sondern als ein Marketingmittel von vielen.

Fakten

Dr. Michael Müller-Wünsch begann seine Karriere als Informatiker. Seine Doktorarbeit schrieb er über künstliche Intelligenz. Schnell wechselte der IT Spezialist in den Handel, arbeitete für myToys und Lekkerland. Seit 2015 ist Dr. Michael Müller-Wünsch Bereichsvorstand Technology (CIO) bei der OTTO-Einzelgesellschaft.

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Journalist

Jörg Wernien

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