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Verpackung kann die Umwelt schonen

Verpackungen haben einen schlechten Ruf als Umweltverschmutzer. Tatsächlich aber können sie für weniger Abfälle sorgen, sagt Experte Markus Schmid.

Einfach auf Verpackungen verzichten, wie manche Leute raten, funktioniert oft nicht.


Markus Schmid vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising

Viele Menschen setzen heutzutage auf Bio-Produkte, die möglichst in der Region angebaut oder produziert wurden, um auf diese Weise die Umwelt zu schonen. Zu diesem Trend gehört auch das Klagen über zu viele Verpackungen. Sie gelten als überflüssige Belastung für die Umwelt, die möglichst weitgehend vermieden werden müsse. „Irrtum“, sagt Markus Schmid vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising. „Im Gegenteil können Verpackungen sogar Abfall verhindern und somit die Umwelt schonen.

Wie das? Vor allem geht es bei diesem Befund um Lebensmittel, die verdorben oder abgelaufen sind und vom Verbraucher nicht mehr verzehrt werden. Jedes Jahr werfen die Deutschen nach einer Studie des Bundesministeriums für Umwelt und Ernährung 81,6 Kilogramm Lebensmittel auf den Müll, weil das Haltbarkeits- oder Verbrauchsdatum überschritten ist. Oft kaufen die Verbraucher zu viel Fleisch, Obst oder Gemüse ein und schaffen es dann nicht, diese frischen Lebensmittel zu verzehren, bevor sie ungenießbar oder sogar gesundheitsschädlich geworden sind. Die Folge: Sie landen im Mülleimer.

Das muss aber nicht sein. „Moderne Verpackungen sind heute in der Lage, viele Lebensmittel sehr viel länger frisch zu halten als ohne Verpackung. Sie müssen also nicht gleich weggeworfen werden, sondern können auch noch lange nach dem Kauf gegessen werden“, sagt Markus Schmid. Er forscht seit Jahren am Fraunhofer-Institut zu Verpackungsmaterial, das sowohl die Lebensmittel frisch hält als auch nachhaltiger ist und damit die Umwelt möglichst wenig belastet.

„Im Vordergrund steht bei unseren Forschungen immer der Schutz der Lebensmittel und damit der Verbraucher“, betont Schmid. Gleichwohl sind die Wissenschaftler in den vergangenen Jahren auf dem Weg, ökoeffiziente, flexible Packstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln, ein gutes Stück vorangekommen. Eine Verringerung des Verpackungsmaterials funktioniert aber nur dann richtig, wenn der Schutz des Produkts gewährleistet bleibt. Entscheidend dafür sind die Permeationseigenschaften der Verpackung, also die Frage, beispielsweise wieviel Sauerstoff und/oder Wasserdampf eindringt oder entweicht. „Erfüllt ein bereits bestehendes Verpackungsmaterial die Mindestanforderungen hinsichtlich der Barriereeigenschaften, so ist eine weitere Reduktion des Verpackungsmaterials meist nur dann möglich, wenn die Permeationseigenschaften optimiert werden“, so Schmid.

Das Fraunhofer-Institut beschreitet immer neue Wege. Derzeit legt man viel Anstrengung auf die Entwicklung von Verpackungs-Materialien aus Molke, die ihrerseits ja ein Nebenprodukt der Herstellung von Käse ist. „Das ist derzeit unser Leuchtturmprojekt“, so Schmid. Der Wissenschaftler sieht in diesen Forschungen den richtigen Weg. „Einfach auf Verpackungen verzichten, wie manche Leute raten, funktioniert oft nicht. Denn das passt nicht in unsere moderne Gesellschaft. Schließlich kann nicht jeder täglich zum Markt laufen und sich frische Lebensmittel holen.“

Fakten

Jeder Deutsche wirft durchschnittlich 81,6 Kilogramm abgelaufener Lebensmittel im Jahr weg. Moderne ökologischere Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen ermöglichen eine längere Haltbarkeit frischer Lebensmittel und tragen damit zur Vermeidung von Abfall bei.

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Journalist

Armin Fuhrer

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