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Professor Dr. Andreas Knie, Gründer und Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel ENTWICKLUNG

Plattformen werden Mobilität organisieren

Interview mit Professor Dr. Andreas Knie, Gründer und Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg.

Das Auto und seine Infrastruktur darf in Städten nicht mehr das Maß aller Dinge sein.

Wenn wir über die Verkehre der Zukunft sprechen, dann richten wir unseren Fokus sehr schnell auf die Themen autonomes Fahren und Connected Driving.

Ja, das ist richtig, aber wenn wir von Smart City sprechen, dann haben wir zwei Blickwinkel: zum einen den Blick in die Städte, zum anderen auf die Überwindung von Distanzen. Schauen wir in die derzeitigen Innenstädte, dann sind diese nach wie vor dominiert von der Stadtplanung, die in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts durch die Charta von Athen festgeschrieben wurde. In deren Mittelpunkt standen die Entflechtung städtischer Funktionsbereiche und die Schaffung von lebenswerten Wohn- und Arbeitsumfeldern, die nur durch eine autogerechte Stadt zu realisieren waren.

Ist dies noch zeitgemäß?

Nein – heute haben wir andere Bedingungen, andere Umstände. Die zunehmende Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche löst die strikte funktionale Trennung von Arbeiten, Wohnen und Vergnügen mehr und mehr auf. Darüber hinaus hat die Reduzierung der Städte auf den Transit viel Lebensqualität gekostet.

Was leiten sie daraus ab?

Um es kurz zu sagen: Wir haben das Auto mit all den Straßen und den Staus in die Städte gebracht, und da müssen wir es wieder herausholen. Das Auto und seine Infrastruktur darf in Städten nicht mehr das Maß aller Dinge sein. Sonst lässt sich das Verkehrsproblem nicht lösen. Die Stadt der Zukunft bedeutet weniger Autos und ein Mehr an intelligenten Nutzungskonzepten. Private Autos sollten nie mehr kostenlos auf öffentlichem Grund stehen dürfen, sondern dafür kostengerecht bezahlen. Andere Verkehrsmittel wie Fahrrad und Sharingprodukte brauchen dafür mehr Raum.

Wie wird der Verkehr der Zukunft organisiert werden?

Plattformen werden in einer idealen Zukunft den Zugang zur Mobilität organisieren, Car- und Bikesharing wird dominieren. Das Eigentum an einem Verkehrsmittel wird sich auflösen. Allerdings nur dann, wenn es auch mutige gesetzgeberische Vorhaben gibt, die die Rahmenbedingungen verändern, die ausschließlich auf die Privilegierung des privaten Autos ausgerichtet sind.

Wird das autonome Fahren in naher Zukunft kommen?

Es gibt ja schon Versuche, wie ein autonom fahrender Bus in Bad Birnbach oder der regelmäßige Shuttle-Verkehr auf dem EUREF-Campus in Berlin. Und natürlich wird unter Federführung der Autohersteller eine Reihe von Testfeldern für das automatische Fahren vorbereitet. Aber in den Städten mit den extrem vielen und unvermittelt auftretenden Außeneinflüssen wird autonomes Fahren noch länger eine Herausforderung bleiben. Auf dem Land wird das einfacher gehen.

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Journalist

Frank Tetzel

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