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Die deutschen Ingenieure gehören zu den Besten der Welt.

Industrie 4.0 als Schlagwort wird die Welt der Ingenieure komplett verändern. Was muss in Sachen Ausbildung und Nachwuchsförderung getan werden? Sie sind Führungskräfte, Wissensträger und der Motor für das wirtschaftliche Wachstum in Deutschland. Sie tragen mit 211 Milliarden Euro zur Wertschöpfung der Wirtschaft bei (Quelle: VDI). Doch die Zukunft bringt dramatische Veränderungen für die Ingenieure in Deutschland. Wir haben den Präsidenten des VDI (Verein Deutscher Ingenieure), Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer exklusiv interviewt.

„Deutschland benötigt jährlich eine Zuwanderung von 15.000 Ingenieuren – eine Illusion.“

Das Stichwort Industrie 4.0 elektrisiert die Wirtschaft – Welche Anforderungen werden damit in Zukunft an die Ingenieure gestellt?

Die Industrie 4.0 wird Produktion, Geschäftsmodelle und Märkte wesentlich verändern. Das bedeutet, dass sich auch die Rolle der Ingenieure verändern wird. In der „Smart Factory“ verwischen die Grenzen zwischen den Disziplinen Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik und viele Ingenieure arbeiten an der Schnittstelle zwischen Hardware und IT. Die Komplexität nimmt in der Industrie 4.0 zu. Unsere Ingenieure müssen in der Lage sein, diese Komplexität zu beherrschen. Dennoch bedeutet Industrie 4.0 noch einmal einen Schlag obendrauf.

Stichwort Datensicherung – Was ist zu tun?

Die zunehmende Vernetzung von Geräten und Systemen sowie die Verfügbarkeit jeglicher Information werden industrielle Anlagen noch komplexer machen. Es werden weitere Fragen nach Datenverfügbarkeit, -sicherheit und -gültigkeit aufkommen. Diese müssen in einem sehr großen Kontext gelöst werden. Das bedeutet zusätzliche Herausforderungen für Ingenieurinnen und Ingenieure, die solche Anlagen entwickeln, projektieren und in Betrieb nehmen.

Welche Herausforderungen muss die Industrie in Zukunft meistern?

Fest steht schon jetzt: die Digitalisierung und elektronische Vernetzung der Wirtschaft wird die Märkte, die Geschäftsmodelle und die Produktion wesentlich verändern. Um die Transformation zur Industrie 4.0 erfolgreich zu vollziehen, müssen wir noch schneller werden bei technischen Innovationen und die Markteintrittszeiten für neue Produkte und Dienstleitungen verkürzen. Ganz wesentlich und reizvoll sind dafür innovative Geschäftsmodelle, die mit dem hohen Tempo der Veränderung Schritt halten und der Digitalisierung Rechnung tragen.

Wir brauchen zukunftsweisende Konzepte, mit denen wir für den richtigen Markt im richtigen Moment das richtige Produkt produzieren und platzieren. Wir sind bei der Automatisierung führend und wir verfügen über sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte.

Der demografische Wandel sorgt in den nächsten Jahren für einen erheblichen Mangel an qualifizierten Kräften. Wie könnte die Ausbildung in den Schulen die richtige Richtung vorgeben?

Unser Ansatz muss lauten: „Weg von der Schiefertafel, hin zum digitalen Whiteboard“. Wir brauchen Schule 4.0! Ideal wäre es, wenn wir unseren Nachwuchs bereits in den Schulen intensiv mit IT-Unterricht und dem Computer und Tablet als natürliche Lernmittel so früh wie möglich vertraut machen. Leider ist unser Bildungssystem zurzeit nicht in der Lage, Schülerinnen und Schüler auf das digitale Zeitalter vorzubereiten. Uns fehlt es von der Ausstattung über flächendeckenden IT-gestützten Unterricht bis hin zum qualifizierten Lehrpersonal an allen Ecken und Enden. Industrie 4.0, Big Data, Cloud Computing oder das Internet der Dinge – diese Schlagwörter verkommen zu Floskeln, wenn junge Menschen nicht über entsprechende Kompetenzen und Ausstattungen verfügen.

Seit Jahren plädieren wir im VDI dafür, dass die Bundesländer endlich eine gemeinsame Bildungsstrategie brauchen. Der Bund muss viel mehr selbst die Verantwortung übernehmen. Er steht in der Pflicht, unsere Kinder und Jugendlichen digital zu bilden und das auf einem Niveau, das der enormen Bedeutung von Technik und der Wertschöpfung durch Technik gerecht wird.

Ingenieur ist ein sehr „männlicher“ Beruf – wie begeistern Sie Frauen für die Ausbildung?

Deutschland kann und darf auf Ingenieurinnen nicht verzichten. Ihr Potenzial muss weiterhin gefördert werden! Im Bereich der Hochschule lag in den Ingenieurwissenschaften 2013 der Anteil der weiblichen Studierenden bei 21,7 Prozent, der Anteil der Erstabsolventinnen bei 22,7 Prozent.

Der VDI setzt sich mit seinen Kinder- und Jugend-Technik-Clubs dafür ein, Jungen und Mädchen Spaß an Technik zu vermitteln. Über unser Projekt MINTalente bringen wir interessierte Schülerinnen und Studentinnen mit Vorbildfrauen, den sogenannten Role Models, zusammen. Über 450 Frauen zeigen motivierende Wege in das Studium, für den gelungenen Berufseinstieg bis hin zur erfolgreichen Karriere auf. Zudem bietet das VDI-Netzwerk „Frauen im Ingenieurberuf“ über 11.000 Ingenieurinnen eine Plattform zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung.

Fakten

Fakten

1.7 Millionen Ingenieure arbeiten in Deutschland und jeder fünfte Studienplatz ist ein Ingenieurstudium. Doch bis zum Jahr 2029 fehlen 710.000 Fachkräfte in Deutschland. Das sind 42 Prozent des aktuellen Bestandes. Der VDI will mehr qualifizierte Kräfte aus dem Ausland, um den Bedarf decken zu können.

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Journalist

Jörg Wernien

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