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Michael Herrmann von der bbg Betriebsberatungs GmbH ENTWICKLUNG

Richtig bauen für die smarte Zukunft

Die Digitalisierung hat schon ganze Bereiche des Lebens erfasst. Und sie breitet sich immer weiter aus. Zum Beispiel beim Bauen und Wohnen.

Stellen Sie sich vor: Sie wachen morgens auf, erheben sich aus dem Bett – und ein durchsichtiges mobiles Gerät schwebt in Gesichtshöhe vor Ihnen, fragt sie, ob sie ein Toast möchten und erinnert Sie daran, ein Business-Dress anzulegen, weil sie mittags ein wichtiges Meeting haben. Und liest Ihnen gleich auch alle sonstigen Termine des Tages vor. Utopie? Nicht, wenn man Eric Schmidt trauen darf, dem ehemaligen Executiv Chairman von Google. Er sagt voraus, dass das schon um das Jahr 2030 herum Alltag sein wird. Alltag in unserem vernetzten Zuhause.

„Wer heute ein Haus baut, sollte unbedingt an diese vernetzte Zukunft denken“, sagt Michael Herrmann von der bbg Betriebsberatungs GmbH in Bayreuth. Für die meisten privaten Bauherren stehe allerdings zurzeit noch eine andere Sache eindeutig im Vordergrund: die Effizienz eines vernetzten Hauses, mit dem man nämlich Energie sparen und so die Kosten senken kann. „Der mitdenkende Kühlschrank mag zwar eine interessante Zukunftsvorstellung sein, aber im Moment geht es noch mehr um das Thema Energie“. Also zum Beispiel die intelligente Heizung oder die smarte Lichtsteuerung.

Ein Bauherr sollte sich mit Blick auf die Zukunft unbedingt von Experten beraten lassen. Und auf jeden Fall nicht an der falschen Stelle sparen. „Wer heute 1000 Euro mehr ausgibt, kann durch energieeffizientes Wohnen durchaus in 20 Jahren bis zu 50 000 Euro sparen“, so Herrmann.

Allerdings sind die Bauherren meistens plan- und ratlos und wissen gar nicht, was sie alles tun müssen, um ein fürs effiziente Wohnen und für die schönen Dinge der Zukunft präpariertes Smart Home zu bauen. Das geht aus einer Studie des Gottlieb Dudweiler Institutes aus dem vergangenen Jahr hervor. Leider sind auch die Anbieter noch längst nicht so weit. „Kunden wünschen sich vor allem eine einzige Anlaufstelle, eine Art One-Shop-Lösung“, so Michael Herrmann.

Da aber sehe es noch recht mau aus. Dabei sehe er an dieser Stelle eine interessante Marktlücke, zum Beispiel für Makler. Die Studie des Gottlieb Dudweiler Institutes weist auch auf die Möglichkeiten für Handwerker hin, die ein smartes Zuhause bietet. Allerdings müsse er sich für die neuen Aufgaben ausreichend qualifizieren.

Die Macher der Studie aus der Schweiz sind sich sicher, wohin die Entwicklung geht: „Statt Hardware bestimmt die Software. Computer-Programme definieren, wie wir Wohnungen steuern, überwachen, organisieren und wie die Anbieter planen, bauen und ausstatten.“ Auch die Schweizer sehen noch viel Nachholbedarf, um die Kunden kompetent beraten zu können. Vor allem Architekten, Bauingenieure und Immobilienhändler seien noch wenig aufgeschlossen gegenüber den Smart Home-Applikationen. Die Elektrobranche und die Gebäudetechniker seien da schon weiter.

An eines sollten Bauherren aber auch gleich von an Anfang denken. Wer rund um die Uhr vernetzt ist, produziert gewaltige Datenmengen – die nicht alle in die Hände anderer gehören. So kann selbst die smarte Matratze, die sich beim Liegen jeweils perfekt an die Stellung des schlafenden anpasst, interessante Daten weitergeben, nämlich an die Krankenkasse. Am Ende können höhere Beiträge entstehen. „Sicherheit der Daten gegenüber Unbefugten sollte also ganz weit oben stehen“, mahnt Michael Herrmann.

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Journalist

Armin Fuhrer

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