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Sensitives Erlebnis statt brauner Karton – Lencke Steiner

Die Ansprüche an Produktverpackungen steigen: Sie sollen ökologisch sein, aber auch den Verbraucher ansprechen, sagt die Unternehmerin Lencke Steiner. 

Die Verpackung stellt von der Ankunft des Pakets bis zum Produktkern ein Erlebnis dar und schafft eine Brand Awareness.

Nachhaltigkeit wird heute großgeschrieben, und das gilt nicht nur für das Produkt, sondern immer mehr auch für das Drumherum, also die Verpackung. „Der Trend hin zu nachhaltigen Verpackungen ist nicht mehr aufzuhalten“, sagt Lencke Steiner, selbst Unternehmerin aus der Branche. Die Industrie stehe unter dem Druck von Politik und Gesellschaft, und das findet die 32-Jährige auch gut: „Denn nur so können wir ambitionierte Klimaschutzziele erreichen.“ Der Trend zur Nachhaltigkeit zeige sich auch durch die Suche der Industrie nach immer umweltfreundlicheren Verpackungen.

Das Thema Verpackung wurde Steiner praktisch in die Wiege gelegt, denn ihr Vater gründete vor mehr als 40 Jahren ein Verpackungsunternehmen in ihrer Heimatstadt. Nach dem Studium ist sie inzwischen in das väterliche Unternehmen eingestiegen. „Nebenbei“ macht die blonde Bremerin Politik für die FDP als Fraktionsvorsitzende in der Bürgerschaft des kleinsten deutschen Bundeslandes. Von 2013 bis 2015 war sie auch Vorsitzende des „Bundes der Jungen Unternehmer“ (BJU).

Als junge Unternehmerin betont sie die Marktchancen, die die Entwicklung von „grünen“ Verpackungen bietet. Nicht nur für Wissenschaft und Industrie sehe sie Chancen, mit innovativen Ideen zu punkten, sondern gerade auch für Startups, sagt das ehemalige Jury-Mitglied aus der Sendung „Die Höhle der Löwen“, wo sie mit anderen Prominenten die Geschäftsideen hoffnungsvoller Jungunternehmer bewertete. „Startups arbeiten schon an der Verwendung neuer Materialien wie Milch, Bambus, Blättern oder Pilzen. Das könnte eine Revolutionierung des Verpackungssektors bringen.“

Auch die Politik hat natürlich Möglichkeiten, einzuwirken. „Mit einem Verbot der Plastiktüte ist es noch lange nicht getan“, so Steiner. Aber sie weist auch auf einen anderen Punkt hin: den menschlichen Faktor. Denn all die Maßnahmen zur Vermeidung von Müll reichten nicht aus, wenn die Menschen in ihrem Alltag nicht mitmachen. Hier sei ein Umdenken unerlässlich, denn noch immer verschmutzten Menschen gedankenlos die Umwelt.

Trends werden aber nicht nur durch gesellschaftlichen und politischen Druck ausgelöst, sondern auch durch Änderungen am Markt. Beispiel: E-Commerce. Durch den rasant steigenden Online-Handel mussten Verpackungen her, die robust genug für den Versand sind. Zugleich aber zählt auch das Äußere: „Die Verpackung stellt von der Ankunft des Pakets bis zum Produktkern ein Erlebnis dar und schafft eine Brand Awareness. Der Kunde soll schon vor dem Auspacken sehen, wie etwa sein Spielzeug aussieht und funktioniert.“

Tatsächlich möchte der Kunde heute bei aller Liebe zur Umwelt doch nicht einfach einen braunen Pappkarton hingestellt bekommen. „Gerade in der digitalen Welt kann ein Produkt durch seine individuelle Verpackung eine Geschichte erzählen“, so Lencke Steiner. So wird die Verpackung in einer immer stärker vernetzten Welt intelligent – will sagen, sie kann mit den Möglichkeiten der Augmented Reality dem Verbraucher viele interessante Zusatzinformationen über sein Produkt geben. Unter Augmented Reality versteht man dabei die Erweiterung der Realitätswahrnehmung durch eine Darstellung des Produkts in seiner Lebenswelt. Fußballfans kennen die Methode auf sehr niedrigem Niveau durch das Anzeigen einer imaginären Linie, die beispielsweise bei einem Freistoß die Entfernung zum Tor anzeigt. Per App können die Herstellungsart des Produktes abgebildet und eine virtuelle Führung durch die Produktwelt des Anbieters angeboten werden.

Mit technischen Neuerungen können Verpackungen auch andere wichtige Informationen geben. „Das Insignia-Etikett zeigt uns, zu welchem Zeitpunkt wir ein Produkt verzehren sollten, ohne dabei ein starres Mindesthaltbarkeitsdatum festzulegen. Smart Labels können uns die Inhaltsstoffe des Produktes in einer App anzeigen“, wagt Steiner einen Blick in die nahe Zukunft. Und sicherlich werde es bald ein Warnsystem für Allergiker geben, das mit unseren Smartwatches kommuniziert. In einem Punkt ist Lencke Steiner sich sicher: „Die Verpackung von morgen ist multisensorisch und stimuliert alle Sinne des Kunden.“ Dieser erlebe sein Produkt schon mit der Verpackung – quasi als Nebenwirkung binde er sich somit auch stärker an die Produktmarke.

Fakten

Lencke Steiner wurde das Faible für Verpackungen in die Wiege gelegt, denn der elterliche Betrieb produziert seit Jahrzehnten Kunststoffverpackungen. Früh stieg die heute 32jährige Bremerin in den Betrieb ein. Steiner ist Vorsitzende der FDP-Fraktion in Bremen und kandidiert am 24. September für den Bundestag.

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Journalist

Armin Fuhrer

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