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Personalisiert, aber zum Preis von Massenprodukten

Die Fähigkeit für Massenpersonalisierung wird ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Unternehmen sein.


Thomas Bauernhansl, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Heute möchte jeder Kunde individuell und schnell bedient werden, und das zu Kosten nahe der Massenproduktion. Das ist die zentrale Herausforderung für die Automationsindustrie im Jahr 2018. Dabei geht es nicht nur um Technologien, sondern auch um das Geschäftsmodell. Je genauer ein Unternehmen auf Kunden eingehen will, desto genauer muss es ihre Bedürfnisse analysieren. Die digitale Transformation, Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und insbesondere die Vernetzung über das Internet der Dinge ermöglichen in Zukunft einen neuen Zugang zum Kunden, zu den Ressourcen und den Produktionsfaktoren.

Über smarte Produkte, die mit Sensorik und Aktorik angereichert sind, lernen Unternehmen automatisiert sehr viel über das Kundenverhalten. Der Kunde interagiert mit Produkt und Hersteller und kann so selbst Wertschöpfung betreiben, das Produkt mitentwickeln, es konfigurieren und bestellen. Der Konsument wird damit in der Wertschöpfung zum Prosumenten.

Treiber dieser sogenannten Mass Personalization ist die Digitalisierung. Sie ermöglicht Produktionssysteme, die sich automatisiert auf Basis von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Die Fähigkeit für Massenpersonalisierung wird ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Unternehmen sein.

Die Ausbildung des Nachwuchses und die Qualifizierung der Mitarbeiter werden vor dem Hintergrund von Industrie 4.0 enorm wichtig, denn sie werden mehr und mehr zu Dirigenten der Wertschöpfung. Die Jobs in den indirekten Bereichen werden sich stark verändern, weil hier viele Aufgaben vom Kunden selbst übernommen werden.

Der physische Teil der cyber-physischen Systeme, die ja Industrie 4.0 erst ermöglichen, ist in Deutschland international hervorragend aufgestellt. Aber Industrie 4.0 nimmt in den USA, in Japan, Korea und auch in China stark Fahrt auf. Wir müssen uns noch intensiver mit der virtuellen Welt auseinandersetzen. Wir sollten hier vor allen Dingen chancenorientiert diskutieren und uns nicht nur mit den Risiken beschäftigen.

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Journalist

Thomas Bauernhansl

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