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DIPL.-ING. PETER HÜBNER, PRÄSIDENT DES HAUPTVERBANDES DER DEUTSCHEN BAUINDUSTRIE

Partnerschaftlich bauen

„Die traditionelle strikte Trennung von Planen, Bauen und Betreiben muss überdacht werden.“

Die Umsetzung großer öffentlicher Infrastrukturprojekte ist ein politischer „Dauerbrenner“. Ob der Flughafen Schönefeld, die Elbphilharmonie in Hamburg oder der Bahnhof in Stuttgart – überall scheinen komplexe Bauprojekte aus dem Zeit- und Kostenrahmen zu laufen.

Gleichzeitig haben sich verschiedene Kommissionen und Bundesministerien mit Lösungsansätzen für termin- und kostengerechtes Bauen beschäftigt. Aus den Empfehlungen der Reformkommission „Bau von Großprojekten“ unter Leitung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt entstand das Aktionsprogramm der Bundesregierung. Unter Leitung von Ministerin Dr. Hendricks wurde im Bundesbauministerium das Reformprogramm Bundesbau erarbeitet.

Auch wenn sich die Kommissionen nicht in allem einig gewesen sind – es besteht Einigkeit darin, dass es bei der Projektvorbereitung und -durchführung darauf ankommt, gewisse Spielregeln einzuhalten. Dazu gehören eine gründliche Projektvorbereitung („Was wollen wir eigentlich bauen?“), ein transparenter Umgang mit Kosten und Risiken, die frühzeitige Einbeziehung aller Projektbeteiligten und die konsequente Nutzung der Digitalisierung.

Was wir darüber hinaus mehr denn je brauchen, sind Partnerschaftsmodelle, in denen sich die öffentliche und die private Seite auf Augenhöhe begegnen sowie ein fairer und lösungsorientierter Umgang aller Projektbeteiligter miteinander. Nur so kann der Erfolg der Projekte garantiert werden.

Die konventionelle Realisierung von Infrastrukturvorhaben ist in Deutschland an ihre Grenzen gestoßen. Die traditionelle strikte Trennung von Planen, Bauen und Betreiben muss überdacht werden. Statt einzelne Projektphasen zu optimieren, steht immer häufiger die Optimierung des gesamten Lebenszyklus des Infrastrukturvorhabens im Vordergrund. Kurzum: Gesucht sind Beschaffungsmodelle, in denen Bauherr, Planer, Bauausführer und Nutzer gemeinsam auf den nachhaltigen Projekterfolg hinwirken.

Der Anspruch der Bauwirtschaft sollte dabei sein, der öffentlichen Hand nicht eine Lösung für alles, sondern passende Lösungen für unterschiedliche bauliche Herausforderungen anzubieten. Für die öffentliche Hand eröffnet sich damit die Möglichkeit, sich aus der Vielfalt der Lösungsmodelle bedienen zu können:

• Was spricht eigentlich dagegen, Bauunternehmen auch die Ausführungsplanung zu übertragen, wenn die Verwaltungskapazitäten nicht ausreichen? Stichwort: Planung und Bau aus einer Hand.

• Warum setzt man in der Bauphase keine Anreize für Kosteneinsparungen? Stichwort: Bonus-Regelungen.

• Was spricht gegen Optimierungen des Projektes nach der Auftragsvergabe? Stichwort: Value-Engineering.

Die öffentliche Infrastruktur ist in Deutschland jahrzehntelang auf Verschleiß betrieben worden. Im Rahmen seines „Investitionshochlaufs“ hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt jetzt die Voraussetzungen geschaffen, dass zumindest auf Bundesebene mit dem Abbau des gewaltigen Investitionsstaus begonnen werden kann. Die Finanzmittel sind gesichert. Jetzt muss die Auftragsverwaltung gemeinsam mit der Bauwirtschaft diese Investitionsmittel termintreu und im Kostenrahmen in erfolgreiche Infrastrukturprojekte umsetzen.


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  • Dipl.-Ing. Peter Hübner

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