ANALYSE: WIRTSCHAFT

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Neue Trends im Store Design

Der stationäre Einzelhandel kämpft gegen die Konkurrenz aus dem Web. Immer mehr Umsätze wandern zu den großen Online-Händlern ab. Aber es gibt Hoffnung.

„Wir müssen den Wert der Marken erlebbar machen.“

Jutta Blocher, Managing Director Interior von blocher partners:
„Erlebnis und Belebung halte ich für wichtig.“

Den vielbeschworenen Store der Zukunft kann man schon heute besuchen. Wer den Shop der „Rothaus-Brauerei“ in Grafenhausen betritt, kann die neue Shopping Welt einmal hautnah erleben. Das Konzept wurde von blocher partners aus Stuttgart entwickelt und designt. Auf 170 m² entstanden hier unterschiedliche Themenwelten. So wurde die gesamte Deckenlicht-Installation in Kupfer gehalten, eine Reminiszenz an die alten Braukessel der Brauerei. Granitelemente und eine rußgeschwärzte Stahlkonstruktion runden das Bild ab.

Einkaufen als neues Erlebnis – der einzige Weg für den Einzelhandel sich vom reinen Onlinegeschäft abzugrenzen und abzuheben, findet Jutta Blocher, Managing Director Interior Design von blocher partners. „Wir machen den Wert der Marke erlebbar. In die Städte müssen viel mehr Impulse gegeben werden, mehr Aktivität und mehr Attraktivität. Das betrifft auch die Ladengeschäfte. Die Städte müssen sich ändern, Erlebnis und Belebung halte ich für wichtig. Das Smartphone ist uns ja schon quasi an die Hand gewachsen. Darauf müssen sich die Händler einstellen.“

Die Innenarchitektin sieht einen radikalen Wandel in den großen Zentren der Städte. Die Ladenflächen werden sich verkleinern, die Preise für Ladenmieten werden fallen. „Damit können viele Händler mit ihren Nischenprodukten zurück in die Städte kommen. Viele Ladenflächen werden für ganz andere temporäre Nutzungen zur Verfügung stehen,“ so Jutta Blocher.

Doch die Einzelhandelsunternehmen müssen noch viel weiter gehen. „Ganz wichtig finde ich, ist das Thema Vertrauen und Verlässlichkeit. Der Kunde muss Vertrauen in die Marke oder in das Produkt haben. Nachhaltigkeit wird da ein großer Faktor werden. Die Informationen über Marke und Produkt sind sehr wichtig. Wie wird das hergestellt, unter welchen Bedingungen wurde es produziert,“ so Jutta Blocher.

Gerade haben blocher partners einen Wettbewerb gewonnen: Die Neugestaltung der Filialen der Berliner Sparkasse. Da erinnert nichts mehr an eine Bank, wie wir sie jetzt noch kennen. Ein Modell, das überall eine Anwendung im Retailbereich finden kann. „Da bringen wir ganz unterschiedliche Kundengruppen zusammen. Es muss ein ganz leicht nachvollziehbares Leitsystem geben. Das gilt für den kleinen Laden genauso wie für ein großes Einkaufszentrum. Der Kunde muss sich zurechtfinden können, in allen Belangen,“ findet Jutta Blocher.

Wer heute einen neuen Store eröffnen will, hat eine Vielzahl von Möglichkeiten. Bei blocher partners kümmern sich Psychologen, Soziologen und Architekten im Vorfeld um die wichtigen Details. Nichts wird mehr dem Zufall überlassen, ob analog oder digital. Sie planen die „Customer Journey“ im Vorweg. Das Ziel: der Kunde will eigentlich nur ein neues Paar Socken kaufen – am Ende soll er das Geschäft mit einem total neuen Outfit verlassen. „Da spielt der Service natürlich auch eine wichtige Rolle“, sagt Jutta Blocher. „Der Service muss sichtbar werden. Ein Nähatelier oder eine Reparaturwerkstatt im Laden. Der Kunde muss stets den Mehrwert vor den Augen haben.“

Es muss sich fast alles ändern, findet die Innenarchitektin, aber gerade darin sieht sie die Chance für den Einzelhandel und den Retailbereich in der Zukunft. „Ich habe keine Sorgen, der Einzelhandel wird weiterbestehen.“

Fakten

Die Firma blocher partners gehört zu den besten Store Designern in Deutschland. Zahlreiche Preise wurden gewonnen, mutige Projekt in ganz Deutschland realisiert. Hier werden ganz neue Wege eingeschlagen um die Stores, Shops und Einkaufszentren der Zukunft zu planen.


  • VIA
  • Jörg Wernien

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