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Fensterrahmen werden heute fast alle aus Granulat gefertigt, das beim Recycling von Plastikverpackung entstand. PRODUKTION

Neue Rohstoffe – überall und immer mehr

Die Recycling-Quoten des neuen Verpackungsgesetzes sind hoch. Kein Problem, sagen die Unternehmen. Wiederverwertetes Material ist neuer Rohstoff.

Jetzt kommt es: Ab Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz, das mehr Recycling vorschreibt. Glas, Aluminium und sogenannte FE-Metalle müssen in Zukunft zu 80 Prozent, ab 2021 sogar zu 90 Prozent wiederverwertet werden. FE-Metalle sind eisenhaltige Metalle. Die Recycling-Quote für Kunststoffverpackungen steigt auf 63 Prozent. Bisher lag sie bei 36 Prozent. 

Eine Cola-Dose lässt sich bis in alle Ewigkeit wiederverwerten. Aber auch Kunststoff, der früher eine Lebensmittelverpackung oder eine Flasche war, ist inzwischen ein Rohstoff, der mehrmals zu etwas Neuem werden kann. Zum Beispiel zu einer Autoinnenverkleidung. Fensterrahmen werden heute fast alle aus Granulat gefertigt, das beim Recycling von Plastikverpackung entstand.

Laut der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt in Berlin (AGVU), einem Zusammenschluss von Lebensmittelherstellern, Verpackungsfirmen, Händlern und Recycling-Unternehmen, werden in Deutschland zurzeit bereits mehr als die Hälfte aller Verpackungen recycelt. Gesetze schreiben derzeit eine Quote von 36 Prozent vor. Das kommende Verpackungsgesetz verlangt 63 Prozent.

Dieser Impuls sei wichtig, sagt Dr. Carl Dominik Klepper, der geschäftsführende Vorstand der AGVU. Der Trend gehe sowieso dahin, dass die Branche recyceltes Material wie Primärmaterial verwenden will. In vielen Unternehmen liefen die Innovationsprozesse, die dafür sorgen, dass eine Kreislaufwirtschaft mit einer lukrativen Wertschöpfungskette entstehe. Die Folge: immer weniger wirklicher Müll.

Dabei gebe es Herausforderungen im Detail: „Die Anlagen können schlecht mit der Farbe Schwarz umgehen. Schwarze Kunststoffschalen reflektieren die Infrarotstrahlen nicht.“ Dabei würden die gern verwendet, weil darin Tomaten so schön rot aussehen. Kleppers Prognose: Entweder denken die Tomaten-Verpacker um oder es gibt noch einen Innovationssprung in den Sortieranlagen. Ein weiterer Knackpunkt: Es gibt Verpackungen mit neun verschiedenen Schichten. „Das ist noch eine Schwierigkeit bei der Wiederverwertung.“

Das neue Verpackungsgesetz stelle Herausforderungen, aber auch Impulse für die Industrie dar. Jahrelang war um das neue Gesetz gerungen worden. Die Firmen hätten mehr als das Verpackungsgesetz gewollt. Lieber wäre den Firmen ein Wertstoffgesetz gewesen. Den Unterschied erklärt Klepper mit Kleiderbügeln. Die ließen sich auch gut recyceln. Aber sie gelten weiter als „stoffgleiche Nichtverpackung“ und müssen in die Schwarzen Tonnen.

Der Hintergrund: Schwarze Tonnen werden von den Abfallunternehmen der Kommunen abgeholt. Die wollen einfach nicht auf diese verzichten. Der Inhalt der gelben und grünen Tonnen wird in Deutschland von zehn Privatunternehmen geholt, recycelt und weiterverarbeitet. Die Kommunen aber haben in der Vergangenheit oft in Müllverbrennungsanlagen investiert, sind an diese mit Geld und Verträgen noch lange gebunden und müssen sie füttern.

Fakten

Ab Januar 2019 gilt: Verpackungen aus Papier, Pappe, Karton müssen zu 85 Prozent recycelt werden. Verpackungen aus Glas, Aluminium und eisenhaltigen Metallen zu 80 Prozent. Getränkekartonverpackungen zu 75 Prozent. Für Verbunde aus mehreren Stoffen verlangt der Gesetzgeber 55 Prozent. 2021 erhöhen sich alle Quoten. Kunststoffe: 58,5 %, ab 2021 63 %

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Journalist

Christian Litz

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