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Kaufanreize durch Lichttechnik schaffen

Vier Experten zum Thema Beleuchtung im Retailbereich. Was ist bei der Lichtgestaltung zu beachten? Was sind trendige und individuelle Lichtl.sungen? Welche Technik ist nachhaltig und kosteneffizienz?


Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der Brancheninitiative licht.de

Die Beleuchtung im Retail ist so vielfältig wie die Geschäftskonzepte. Es kommt darauf an, die Zielgruppe zu erreichen und die Waren optimal zu präsentieren – ob Lebensmittel, Elektronik oder Mode. Die Beleuchtung hat mehrere Funktionen: Präsentation, Dekoration und Orientierung. Die Allgemeinbeleuchtung im Verkaufsraum sollte vertikale Flächen und Raumtiefe erhellen. Warmweißes Licht steht für Behaglichkeit, eine neutralweiße Lichtfarbe für Sachlichkeit. Damit Akzentbeleuchtung wirkt, muss sie heller als die Grundbeleuchtung sein. Kassen sind Arbeitsplätze und nach DIN EN 12464-1 mit mindestens 500 Lux zu beleuchten.

Lichtquellen sollten eine gute bis sehr gute Farbwiedergabe haben – auch in der Umkleide. Ideal ist es, Spiegel rechts und links schattenfrei zu beleuchten. Verkaufsstätten ab 2.000 m2 brauchen eine Sicherheitsbeleuchtung.

Lichtmanagementsysteme kreieren mit wechselnden Stimmungen und Szenen Erlebniswelten. Sie steuern Helligkeiten und Farben. Eine Tageslichtsteuerung hilft, Energiekosten zu senken: 25 Prozent entfallen im Food-Bereich auf die Beleuchtung, 62 Prozent sind es bei Non-Food.


Mario Dreismann, CEO Ansorg GmbH

Eine angenehme und blendfreie Ausleuchtung wirkt sich positiv auf unser Empfinden aus. Wenn das Licht zudem interessante Einblicke in die Markenwelt bringt, Ware inszeniert und Orientierung ermöglicht, wird eine zum Kauf inspirierende Wohlfühlatmosphäre geschaffen.

In Kaufhäusern werden die Wände oft stark ausgeleuchtet, um die Struktur der Verkaufsfläche zu verdeutlichen, die Gänge bleiben dunkler. Akzentbeleuchtung rückt die Waren in den Fokus, kontrastreiche Beleuchtung sorgt für Aufmerksamkeit. In der Umkleide sollte wärmeres Licht die Optik umschmeicheln und so die Kaufentscheidung unterstützen. Grundlage einer professionellen Lichtplanung ist die Analyse des Stores und des CD des Auftragsgebers.

Auf dem Weg zu einer verkaufsfördernden Beleuchtung finden auch Branchenanforderungen und das Thema Effizienz Berücksichtigung. Und wir achten darauf, dass das Lichtkonzept Änderungen an der Warenpräsentation erlaubt und eine Neuausrichtung der Leuchten zulässt.

Im Modesektor wird viel Wert auf eine brillante Farbwiedergabe und den Einsatz von LEDs gelegt, die etwa den Weißanteil in der Kleidung zum Strahlen bringen. Käse, Backwaren und Obst werden mit warmweißem Licht beleuchtet, in der Tiefkühlabteilung dominiert kühles Licht.


Claudia Horbert, Leiterin Forschungsbereich Ladenplanung + Einrichtung EHI Retail Institute

Für immer mehr Unternehmen liegt der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen und nachhaltig orientierten Lichtplanung in der LED-Technik. Im Lebensmittelhandel sind LEDs fast schon flächendeckend Standard – vor allem auf neuen oder modernisierten Flächen.

Auch im textilen Bereich setzen sie sich immer mehr durch, ebenso wie in Baumärkten und Möbelhäusern. Und zwar nicht nur bei der Akzentbeleuchtung, sondern auch auf der Fläche. Der zunehmende Einsatz von LEDs liegt auch daran, dass die LED-Technik preislich attraktiver geworden ist, dass sie viele Einsatzmöglichkeiten bietet und die Steuerung erleichtert.

Sofern Tageslichtsteuerung eingesetzt wird, geschieht dies primär im Rahmen von Energieeffizienzprojekten. Lichtsteuerungskonzepte, die die biologische Wirksamkeit von Licht mitberücksichtigen, sind bislang noch kaum im Handel von Bedeutung.

Mittelfristig wird es aber sicher mehr Händler geben, die diese Technik in ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen. Dies gilt auch für bereits am Markt erhältliche Steuerungsmodule, mit denen sich Kunden via Licht gezielt durch den Laden leiten lassen, zum Beispiel, um weniger stark frequentierte Flächen zu beleben.


Hermann Bohse, CEO Oktalite Lichttechnik GmbH

Mittels Lichtmanagement können wir sehr individuelle Lichtlösungen anbieten. Spannende Effekte oder wechselnde Lichtszenarien, die genau zum jeweiligen Store passen, unterstützen die Präsentation der Waren, erhöhen den Sehkomfort und damit die Verweildauer der Kunden. So schaffen wir Kaufanreize. Dazu gehört auch, die Oberflächen der Waren genau zu berücksichtigen.

LED-Module mit einem Farbwiedergabeindex von über 95 sorgen beispielsweise im Fashion-Bereich für authentische und klare Farben. Auch mit farbigem Licht oder einer ganz bestimmten Lichtdramaturgie lässt sich viel erreichen.

Mit Blick auf Energieeffizienz und Steigerung des Wohlbefindens kommt Human Centric Lighting (HCL) ins Spiel. Für den Retail-Bereich ist diese Technologie besonders spannend, weil das Tageslicht noch besser ausgenutzt wird und so eine starke Verbindung von natürlichem Licht und Kunstlicht geschaffen wird – das spart Energie und Kosten. Auf der Euroshop in Düsseldorf können Besucher HCL am Beispiel bereits umgesetzter Projekte erleben.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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