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Experten schätzen, dass in der industriellen Fertigung bis zu 40 Prozent aller herkömmlichen Stellen wegfallen könnten. Dafür entstehen ganz neue Arbeitszweige und Jobs. PRODUKTION

Karrierechancen durch die Digitalisierung

Jeder benutzt das Zauberwort „Industrie 4.0“, doch nur wenige machen sich wirklich Gedanken, was das für unsere Zukunft bedeutet. Es gibt eigentlich kaum Konzepte mit welchem Know-how die Arbeitnehmer in Zukunft ausgestattet sein sollten.

Seit fast 100 Jahren werden unsere Autos und Fahrzeuge am Band gefertigt. Die Erfindung von Henry Ford haben die Deutschen Automobilhersteller nahezu perfektioniert. Sämtliche Wünsche nach Model und Ausstattung werden am Band realisiert und durch Menschen und Roboter gefertigt. Doch das Model der Bandfertigung findet in der neuen Industriewelt 4.0 keinen Platz mehr.

Aus den neuen Chancen ergeben sich ganz neue Möglichkeiten für die Arbeitsplätze der Zukunft. Experten schätzen, dass in der industriellen Fertigung bis zu 40 Prozent aller herkömmlichen Stellen wegfallen könnten. Dafür entstehen ganz neue Arbeitszweige und Jobs.

390.000 Arbeitsplätze könnten zusätzlich in der deutschen Industrie entstehen, schätzt die Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie aus dem Jahr 2015. „Die menschenleere Fabrik wird es nicht geben”, sagt Studienautor Michael Rüßmann. „Es wird erstens weiter auch Arbeiter geben, die gemeinsam mit Robotern arbeiten. Zweitens werden Arbeitsplätze in der Fertigung IT-lastiger, das heißt, es entstehen andere Arten von Arbeitsplätzen.“

Besonders im Maschinenbau und der Automobilindustrie werden sich die Anforderungen an das Fachpersonal in Zukunft stark verändern. Den Grundstock dafür müssen die Ausbildungen und Studiengänge an den Universitäten schaffen. Doch auch auf Seiten der Unternehmen ist ein Umdenken erforderlich. So fordert Dr. Thomas Siems, Leiter Sector Automotive der DMR, gemischte Teams aus IT und Arbeitern in den Unternehmen: „Es muss eine richtige Mischung sein, Fehler dürfen gemacht werden, es darf probiert werden und der Konzern muss seine Strategie vorgeben.“

Ein Innovationsmanagement mit Freiräumen soll die Teams steuern. „Wir machen nicht das, was wir schon immer gemacht haben, komplett neu, sondern anders und besser“ so der Experte Dr. Thomas Siems vom Detecom Management Report.

Die Chancen für neue Kräfte sind sehr gut. „Sie müssen sich spezialisieren und weiterbilden, egal in welchem Industriezweig sie arbeiten. Treiben sie aktiv die Digitalisierung in ihrem Bereich voran, sammeln sie wertvolles Wissen, kannibalisieren sie ihren Arbeitsplatz“, fordert Jens-Uwe Meyer in seinem Buch „Digitale Disruption“.

Der digitale Wandel wird die Aufgabenbereiche von Menschen besonders in der Automobilindustrie ersetzen und verändern. Die Fahrzeuge werden an Stationen zusammengebaut, Roboter und Menschen fertigen gemeinsam, Teile und Zubehör werden durch Automated Guided Vehicles (AGV) angeliefert, das traditionelle Fließband wird es in der Autofabrik der Zukunft nicht mehr geben. Just in Time und Just in Location bestimmen dann die Produktion.

Hier liegen die Chancen und Möglichkeiten für die Firmen und Gewerkschaften, ganz neue Arten von Arbeiten und Jobs zu kreieren und zu entwickeln. Die Generation Tablet und Smartphone wird die Zukunft bestimmen. Jetzt müssen dazu die entsprechenden Ausbildungen und Studienzweige geschaffen werden.

Fakten

Fakten

Die Welt wird sich verändern – mehr denn je. Die Digitalisierung unserer Industriebranchen wird Opfer fordern, aber auch sehr viele neue Lösungen und Möglichkeiten schaffen. Schon jetzt müssen dafür die Weichen gestellt werden. Deutschland hat in den Bereichen der Automobilindustrie weltweit eine führende Position. Sie sollte nicht verspielt werden.ç

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Journalist

Jörg Wernien

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