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Humanoide Robotik

Drei Experten beantworten Fragen zu möglichen Entwicklungen, über gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen und zu Risiken in der humanoiden Robotik.


Prof. Dr. Dr. h.c. Frank Kirchner, Inhaber Lehrstuhl für  Robotik an der Uni Bremen und Leiter des Robotics  Innovation Centers am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH

Wo liegen die Trends in der humanoiden Robotik 2018?

In den kommenden Jahren werden bei steigender Komplexität Anwendungen in der kollaborativen Robotik bei Industrie 4.0 und in für den Menschen unzugänglichen Umgebungen verwirklicht werden. Vor allem in extremen oder gesundheitsgefährdenden Umgebungen beziehungsweise in sozialen Teams mit dem Menschen können humanoide Roboter ihr Potenzial entfalten.

Sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für humanoide Roboter ausreichend?

Wir brauchen eine bessere digitale Ausbildung von Kindergärten über Schulen und Universitäten bis zur lebenslangen Weiterbildung. Darüber reden wir seit 20 Jahren. Es hat sich aber so gut wie nichts getan. Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen viel stärker geschult und weitergebildet werden. Nur so kann man den Menschen die Angst nehmen. Aufhalten kann man die Entwicklung nicht. Hier sehe ich ein Manko der Politik, das zudem durch das sogenannte Kooperationsverbot in der Bildung, also das Verbot der Kooperation zwischen Bund und Ländern, noch erschwert wird.

Gibt es Risiken in der humanoiden Robotik im Jahr 2018?

Wenn wir von humanoider Robotik sprechen, meinen wir ja Roboter, die in für den Menschen gemachten Umgebungen mit künstlicher Intelligenz ausgestattet Arbeiten verrichten. Diese „Künstliche Intelligenz“ ist nicht per Naturgesetz begrenzt, das heißt, es ist nicht auszuschließen, dass in ferner Zukunft eine höhere Intelligenz als beim Menschen erreicht wird. Wichtig ist, dass der Mensch es nicht vernachlässigt, diese Technologie zu verstehen. Bildung und Ausbildung sind der gesellschaftliche Schlüssel, um nicht zum Sklaven der Technik zu werden. Dies muss durch die Politik verstärkt adressiert werden und sollte von vornherein als Bundesangelegenheit begriffen werden.


Prof. Peter König, Professor für Kognitionswissenschaft an der  Universität Osnabrück

Wo liegen die Trends in der humanoiden Robotik 2018?

Die humanoide Robotik steht am Anfang einer großartigen Entwicklung. Im Jahr 2018 machen wir gerade die ersten Schritte. Ein Beispiel ist das autonome Fahren. Wie bringen wir ein Auto in die Lage, sich so zu verhalten, wie wir es wollen? Die drei asimovschen Gesetze oder Prinzipien, die auf dem Konzept des Empowerment beruhen, bieten einen ersten Ansatz. Gerade weil Roboter bzw. Autos zunehmend autonom entscheiden werden, müssen wir ihnen grundlegende Prinzipien für das Verhalten in unvorhergesehenen Situationen mitgeben.

Sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für humanoide Roboter ausreichend?

Die gesetzlichen Vorgaben zu autonomen Robotern reichen nicht aus und stehen erst am Anfang. Wer ist verantwortlich, wenn etwas passiert – der Nutzer, der Hersteller, der Konstrukteur, der Verkäufer ...? Wir benötigen darüber hinaus in den kommenden Jahren eine breite gesellschaftliche Diskussion über den Einsatz und die rechtlichen sowie ethischen Rahmenbedingungen humanoider Robotik. Zu oft müssen erst Unfälle passieren, bevor es gesetzliche Regelungen oder Entscheidungen durch Obergerichte gibt.

Gibt es Risiken in der humanoiden Robotik im Jahr 2018?

Ich spreche lieber von Herausforderungen. Wir müssen uns klarwerden, wie wir mit den Potenzialen menschlicher Arbeit umgehen wollen, die durch die humanoide Robotik freigesetzt werden. Die zukünftigen Tätigkeiten müssen attraktiver für die Menschen werden und sie entlasten. Aber: Wenn es bei dem Einsatz dieser Techniken allein ums Geldsparen geht, werden wir das in Zukunft als Gesellschaft teuer bezahlen müssen.


Dr. rer. nat. Felix Reinhart, Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM

Wo liegen die Trends in der humanoiden Robotik 2018?

Wir werden eine stetige Weiterentwicklung der Hardware für humanoide Roboter erleben. Kompakte Aktuatoren und nachgiebige Regelungen haben sich als wegweisend für interaktive Robotiksysteme erwiesen. Fraglich ist, ob wir 2018 eine echte Revolution bezüglich Flexibilität, Übertragbarkeit und Robustheit der Fähigkeiten solcher Systeme, z. B. durch den Einsatz von Lernverfahren und künstlicher Intelligenz, erwarten können.

Sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für humanoide Roboter ausreichend?

Die humanoide Robotik kann von der Diskussion um das autonome Fahren profitieren. Einerseits lässt sich unser heutiges Recht durchaus anwenden, z. B. auf Haftungsfragen. Andererseits stellen sich gesellschaftspolitische Fragen, für die eine Stoßrichtung zu erarbeiten ist damit Innovation und Unternehmertum gefördert werden können. Die Wirksamkeit gesellschaftspolitischer Entscheidungen auf ein Technologiefeld ist z. B. in der Gentechnik zu sehen.

Gibt es Risiken in der humanoiden Robotik im Jahr 2018?

Ich erwarte kein erhöhtes Risiko für die Gesellschaft durch die humanoide Robotik. Diese Systeme sind sehr komplex und hochpreisig oder kleindimensioniert und stellen kein physisches Risiko dar. Datenschutzaspekte sind wie bei anderen vernetzten Technologien einzuschätzen. Studien zur Bedrohung von Arbeitsplätzen weisen auf Automatisierungspotential, z. B. durch Software, hin. Die humanoide Robotik bedroht also nicht per se Arbeitsplätze.

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Journalist

Frank Tetzel

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