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Frank Thelen, Gründer und Geschäftsführer der Risikokapital-Firma Freigeist Capital UNTERNEHMERTUM

Frank Thelen: Für mich ist es wichtig, dass das Produkt skalierbar ist

Zu den Investments von Frank Thelen gehören derzeit die Unternehmen Little Lunch, Ankerkraut, Lizza, Luicella’s Ice Cream, Fit Taste, Pumperlgsund und 3 Bears. 

Wo sind die Gemeinsamkeiten und wo unterscheiden sich die Unternehmen voneinander?

Die größte Gemeinsamkeit ist die unvergleichbar hohe Qualität. Alle sieben Startups achten bei ihren Produkten und idealerweise auch bei den Verpackungen auf Nachhaltigkeit. Es werden nur ausgewählte, oft sogar nur Bio-Produkte verwendet. Luicella’s stellt beispielsweise Eis aus echter Milch und Sahne her, anstatt Milchpulver und Konzentrate zu verwenden. Die Suppen von Little Lunch sind alle Bio und bei den gesunden Gerichten von Fittaste kommt das Fleisch zu 100 Prozent aus Deutschland. All unsere Startups legen großen Wert auf die Qualität ihrer Produkte, das ist wohl die größte Gemeinsamkeit.

Aber natürlich unterscheiden sich die Startups in manchen Punkten auch voneinander. Während Ankerkraut sich auf einem stark umkämpften, uralten Markt behaupten mussten, kamen Pumperlgsund mit ihrem haltbar gemachten Eiklar aus der Flasche mit einem völlig neuen Produkt auf den Markt, das die Leute erst einmal verstehen müssen. Aber wer schon mal eines der drei Ernährungskonzepte von Pumperlgsund in der Hand hatte, der versteht schnell, worum es dabei geht.

Da alle sieben Startups aus dem Food-Bereich kommen, gibt es natürlich viele gemeinsame Baustellen wie LEH-Listungen, Logistik und Qualitätsmanagement. Da unterstützen sich die Startups dann auch gegenseitig und tauschen Erfahrungen, Netzwerke und Best Practices aus. Indem wir alle zusammenarbeiten, können wir nächstes Jahr mit einem Umsatz von 100 Mio. Euro rechnen.

Auffällig ist, dass alle Unternehmen nicht auf die Platzierung im Lebensmitteleinzelhandel setzen, sondern auf Online-Stores. Wie sehen Sie die Zukunft des Online-Handels gerade bei Lebensmitteln?

Ein Großteil unserer Produkte richtet sich an Leute mit wenig Zeit, die sich trotzdem bewusst und gesund ernähren wollen. Da macht es natürlich Sinn, die Produkte auch im Online-Shop anzubieten, denn auch das spart Zeit. Wer sich in seiner Mittagspause gesund ernähren will, bestellt sich einfach vorab ein paar Gerichte bei Fittaste oder Little Lunch und ist damit bestens versorgt.

Aber auch die Nachfrage im Handel wird immer gräßer. Uns erreichen auf Social Media täglich unzählige Anfragen von Kunden, die uns gern auch beim Rewe oder Edeka um die Ecke kaufen würden. Diese Entscheidung liegt aber leider nicht immer bei uns. Wer schon einmal in einem Lebensmittelunternehmen gearbeitet hat, der weiß, dass der Weg in die Regale oft sehr lang ist. Hinzu kommt noch, dass wir uns bewusst gegen Discounter entscheiden, da wir langfristig hochwertige Marken aufbauen.

In Zukunft werden unsere Produkte sowohl im Handel als auch online erfolgreich sein. Selbst die großen Märkte wie Rewe oder Edeka bieten ja bereits beide Welten an.

Das einzige große Problem, das wir online noch lösen müssen, ist das Thema Verpackung. Gerade bei gekühlten Waren fehlt es uns noch an wirklich nachhaltigen, umweltschonenden Verpackungen. Bei Luicella’s Ice Cream haben wir schon eine wirklich gute Option gefunden – das Eis wird mit Trockeneis verschickt und die Isolierung ist aus Stroh. Eine nachhaltigere Variante gibt es zurzeit nicht, wir suchen aber kontinuierlich bessere Lösungen.

Welche Wachstumsprognosen brauchen Unternehmen in der Foodbranche, damit Sie investieren, unabhängig natürlich von der Unternehmerpersönlichkeit, die mit eine tragende Säule eines Startups ist?

Wachstumsprognosen sind eben genau das – Prognosen. Sie liefern noch keine Garantie und ich mag es nicht, wenn Gründer zu mir kommen und mir für ihren geplanten Umsatz in den nächsten fünf Jahren Summen nennen, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Für mich ist es wichtig, dass das Produkt skalierbar ist und dass ich mir mit den Gründern einig darüber bin, wohin die Reise gehen soll. Außerdem braucht ein Startup, in das ich investiere, immer einen unfairen Vorteil gegenüber seinen Mitstreitern.

Gegessen und getrunken wird immer, aber das ist für einen klugen Investor nicht unbedingt der Hauptgrunnd, in Startups in diesem Bereich zu investieren. Warum ist die Foodbranche für Sie derzeit so interessant?

Ich bin ein großer Fan von Disruption und spüre schnell, wenn ein Markt sich im Wandel befindet. In der Foodbranche ist genau das gerade der Fall. Die Leute haben Lust auf gesunde und wirklich innovative Produkte. Bei den großen Konzernen tut sich seit langer Zeit kaum etwas.

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Journalist

Frank Tetzel

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