Weekly News

Maik Gronau, Mitbegründer der GWA Hygiene GmbH. UNTERNEHMERTUM

Förderung ohne lästigen Behördendschungel

Das Land Mecklenburg-Vorpommern fördert Startups und sorgt dafür, dass Wissen nicht abwandert. Ein Beispiel ist das Stralsunder Unternehmen GWA Hygiene GmbH.

„Mit unserem System NosoEx wollen wir das Hygiene- und Klinikpersonal bei der Händedesinfektion unterstützen.“

Sie sind unsichtbar, verstecken sich überall – und vor allem sind sie lebensgefährlich: Multiresistente Keime sorgen jährlich für denTod von 40.000 Patienten in Deutschland. Grund genug, mehr dagegen zu tun als bisher, dachte sich Maik Gronau. „Als ich selbst im Krankenhaus lag, bemerkte ich, dass einige sich mehr und andere sich weniger die Hände desinfizieren. Da mich das Thema interessiert hat, habe ich mal recherchiert: Gibt es Regularien, muss man irgendwas überwachen? Und so ist die Idee geboren worden, dass wir ein System erschaffen haben, welches diese Desinfektionsanzahl erfasst.“

Nicht, dass Gronau selbst aus dem medizinischen Bereich kommt – er studierte damals Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Stralsund. Aber manchmal ist es der Blick von außen, der mehr sieht. Als Maik Gronau aus dem Krankenhaus entlassen und wieder zu Hause war,machte er sich daran, seine Idee in die Tat umzusetzen. Mit zwei Kommilitonen entwickelte er ein System: An jedem Desinfektionsmittel-Spender wird ein Computerchip angebracht. Dieser kommuniziert mit anderen Chips, die Krankenhausmitarbeiter am Kasack tragen. Auf diese Weise wird gespeichert, wo, wann und vor allem wie häufig sich die Mitarbeiter die Hände desinfizieren.

Mit einer echten Neuigkeit können die drei Jungunternehmer aus dem Nordosten zudem aufwarten: Erstmals ist es mit ihrem System gelungen, die Nutzung der Spender nach Berufsgruppen aufzuschlüsseln. Und für Klinikleitung und Mitarbeiter hat das System einen weiteren Vorteil: Es kann deutliche Hinweise darauf geben, ob im Arbeitsalltag etwas geändert werden sollte – liegen die Spender gegebenenfalls vielleicht zu weit auseinander oder sind ungünstig platziert? Oder müssen Prozesse und Strukturen eventuell ganz überdacht werden? Die Speicherung der Daten erfolge anonym, um welchen Chipträger es sich jeweils handelt, könne von niemandem nachvollzogen werden. Es soll kein System zur Überwachung sondern zur Unterstützung der Mitarbeiter sein.

Ein Name für das neue Unternehmen war rasch gefunden: GWA Hygiene. Doch wer ein Unternehmen gründen will, der braucht vor allem Kapital. Und meistens hat ein Gründer selbst nicht genug davon. So erging es auch Maik Gronau und seinen beiden Mitgründern, als sie loslegen wollten. Bevor die drei jungen Männer aus Mecklenburg-Vorpommern an den Start gehen konnten, mussten sie erst einmal die finanziellen Mittel für die Startphase beschaffen. Sie bewarben sich zunächst für das EXIST-Gründungsstipendium, mit dem Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ihre Gründungsidee in die Tat umsetzen können. Das Projekt entsprach den Vorgaben – es ist innovativ und technologieorientiert, somit erhielten die Gründer ein Jahr das EXIST-Stipendium. „Das klingt wie eine lange Zeit. Aber ein Jahr ist sehr schnell vorbei“, sagt Maik Gronau mit seiner heutigen Erfahrung.

Doch auch mit der Anschlussfinanzierung klappte es. Seit Mai vergangenen Jahres und noch bis einschließlich Oktober 2017 erhält die GWA Hygiene ein Gründer-Stipendium der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA).

Dazu kommen Mittel einer Beteiligungsgesellschaft aus Mecklenburg-Vorpommern. Diese fördert kleinste, kleine und mittlere bestehende Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, die in Mecklenburg-Vorpommern ihren Investitionsstandort haben. Unter die Förderung fallen beispielsweise die Finanzierung von Prototypen, Betriebsmitteln oder die Anpassung des Produkts bis zur Serienreife. Die Beteiligungshöhe liegt bei mindestens 50.000 Euro, höchstens bei 1 Million Euro. So können Unternehmen auftretende Finanzierungslücken schließen und zugleich ihre Eigenkapitalbasis auf eine breite Grundlage stellen.

Ohne Aufwand ist eine Förderung allerdings nicht zu bekommen. „Natürlich mussten wir einige Bedingungen erfüllen, wie das Vorhandensein von Eigenkapital sowie eines ordentlichen Businessplans“, so Gronau. Die Erfahrungen, die er und seine zwei Mitgründer mit den Fördereinrichtungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern gemacht haben, sind durchweg gut. „Die Zusammenarbeit war wirklich entspannt“, findet Gronau. Im Behördendschungel haben sich die Jungunternehmer also nicht verirrt. Inzwischen läuft ihr Geschäft an. Als erster Kunde hat das Städtische Klinikum Lüneburg sich entschieden, nach einer dreimonatigen, erfolgreichen Testphase das Chipsystem von GWA Hygiene aus Stralsund einzusetzen. Verhandlungen mit anderen potenziellen Partnern laufen.

Und nicht zuletzt schafft das Startup aus dem Nordosten auch schon selbst Arbeitsplätze. Inzwischen hat die GWA Hygiene zwei Mitarbeiter eingestellt. Zusätzlich beschäftigt sie vier Praktikanten, die später in das Unternehmen integriert werden sollen.
So schlägt die Förderung durch das Land drei Fliegen mit einer Klappe: Sie fördert Erfindungsgeist, schafft Arbeitsplätze und sorgt dafür, dass Know-how im Land bleibt und nicht abwandert.

Fakten

Fakten

Mit der Förderung von Startups schafft Mecklenburg-Vorpommern Arbeitsplätze und sorgt dafür, dass Wissen nicht abwandert. Ein Beispiel ist die GWA Hygiene GmbH. Ihre Gründer haben ein System erfunden, mit dem die Nutzung von Desinfektionsmittel-Spendern in Krankenhäusern und anderen Institutionen überprüft werden kann.

Teile diesen Artikel

Journalist

Armin Fuhrer

Weitere Artikel