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DR. PATRICK ADENAUER, GESCHÄFTSFÜHRENDER GESELLSCHAFTER DER BAUWENS UNTERNEHMENSGRUPPE

Familienunternehmer aus Überzeugung

Seine Stimme findet Gehör: Dr. Patrick Adenauer macht sich für Familienunternehmen stark. Er selbst leitet mit seinem Bruder ein Immobilienunternehmen in Köln.

„Familienunternehmer sind die Stimme und der Garant für wirtschaftspolitische Freiheit.“

„Ich wollte schon immer selbstständig sein“, sagt Dr. Patrick Adenauer. Zusammen mit seinem Bruder, dem Architekten Paul Bauwens-Adenauer, ist es ihm gelungen, ein führendes deutsches Bau- und Immobilienunternehmen zu formen. Die BAUWENS Unternehmensgruppe, die innovative Wohn- und Gewerbeimmobilien entwickelt, plant und realisiert, zählt heute mehr als 300 Mitarbeiter. Gemeinsam ein Familienunternehmen zu leiten, sei eine anspruchsvolle Aufgabe, gibt der promovierte Betriebswirt zu. „Aber mein Bruder und ich ergänzen uns prima. Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen, obwohl wir vom Typ her unterschiedlich sind.“ Neben seiner Tätigkeit bei BAUWENS ist Adenauer Vizepräsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, der die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 180.000 Familienunternehmern in Deutschland vertritt, und zugleich Präsident des deutschen Chapters des internationalen Verbundes Family Business Network e.V. (FBN) ist. Die deutschen Familienunternehmen beschäftigen rund 8 Millionen Mitarbeiter und erwirtschaften jährlich einen Umsatz in Höhe von 1.700 Milliarden Euro. Damit tragen sie maßgeblich zur Stärke der deutschen Wirtschaft bei. „Die Familienunternehmer sind die Stimme und der Garant für wirtschaftspolitische Freiheit. Sie zeichnen sich durch eine starke Haltung zum Unternehmertum und Grundvertrauen ins eigene Geschäft aus. Von einem Sturm lassen sie sich nicht gleich umpusten“, sagt der Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers. Trotz des Brexit, der mit der Digitalisierung eingehenden Herausforderungen und des zunehmenden Kampfes um die besten Mitarbeiter blicken deutsche Familienunternehmen zuversichtlich in die Zukunft. Das ist das Kernergebnis des fünften Family Business Barometers, für das europaweit 959 Familienunternehmen befragt wurden. Für 88 Prozent der Befragten hat es Priorität, dass die Familie bei einer Übergabe an die nächste Generation die Kontrolle über das Unternehmen behält. Auch Adenauer ist guter Hoffnung, dass zumindest eines der gemeinsamen fünf Kinder in der Familie eines Tages das Ruder bei BAUWENS übernimmt: „Denn die Aufgabe, ein Familienunternehmen zu leiten, birgt eine große Chance. Diese Aufgabe ist eine viel attraktivere Herausforderung, als nur Geld zu erben. Denn dieses ist zumeist schnell weg, das zeigt die Erfahrung.“ Sein Tipp für den Generationenwechsel: einen externen Profi zu engagieren und einen moderierten Prozess einzuleiten, sodass den potenziellen Nachfolgern klar wird, was auf sie zukommt. Außerdem sei es wichtig, keinen Druck aufzubauen, die individuelle Situation frühzeitig abzuklären, einen „Fahrplan“ einzuhalten und sich eine Familiensatzung zu geben. „Je professioneller und zielgerichteter der Generationenwechsel vonstatten geht, desto erfolgreicher wird er sein“, ist Adenauer überzeugt. Im Family Business Barometer wurde auch untersucht, welche Erwartungen und Herausforderungen Familienunternehmen mit der digitalen Transformation verknüpfen. Das Ergebnis: 60 Prozent der Befragten sehen in ihrem Haus eine hohe Kompetenz in diesem Bereich. „Im Grunde genommen stehen Familienunternehmen vor den gleichen Anforderungen wie alle anderen Unternehmen“, kommentiert Adenauer. Und auch die Globalisierung sei an sich nichts Neues, wenngleich man heute flexibler agieren müsse als noch vor ein paar Jahren. Klare Worte findet der Unternehmer auch für die Erbschaftssteuerreform. Mit der jetzigen Regelung könne er leben. Positiv sei, dass der Gesetzgeber erkannt habe, dass Familienunternehmen eine spezielle Finanzierungsart der Kapitalbindung haben. Insbesondere auf große Familienunternehmen käme allerdings eine Reihe von Verschlechterungen zu. Sollte die Rechts- und Planungssicherheit nicht mehr gegeben sein, würde es wahrscheinlich weniger Familienunternehmer geben, die ihren Betrieb in die nächste Generation überführen. Als Enkel von Konrad Adenauer einen prominenten Namen zu tragen, habe den Vorteil, sich nicht erklären zu müssen und zu vielen Dingen einen leichteren Zugang zu haben. Allerdings bedeute der Name auch, dass seine Arbeit oftmals mit anderem Maß gemessen werde als die anderer. „Außerdem erwarten viele, dass ein Adenauer Allgemeinverantwortung trägt und sich um das Gemeinwohl kümmert. Das kann unter Umständen auch erpressbar machen.“ Und doch gehört politisches und gesellschaftliches Engagement zu den Dingen, die ihm wichtig sind. Eben dies wünscht er sich von anderen Unternehmern: „Es wäre schön, wenn sich noch mehr von ihnen in den politischen Diskurs einbringen.“

Fakten

Dr. Patrick Adenauer, (Jg. 1960) ist seit 1989 Geschäftsführender Gesellschafter der Bauwens Unternehmensgruppe. Der promovierte Betriebswirt nimmt neben seinen beruflichen Verpflichtungen mehrere Ämter wahr, u.a. als Vizepräsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, als Präsident von FBN e.V. sowie als Aufsichts- und Beirat. Der gebürtige Kölner ist verheiratet und hat zwei Kinder.



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