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E-Commerce – ein neuer Ausbildungsberuf

Die Digitalisierung verändert Prozesse im Einzelhandel grundlegend. Von August 2018 an können Betriebe Kauffrauen und Kaufmänner im E-Commerce ausbilden. 


Gero Furchheim, Präsident des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel (bevh) Foto: Michael Gueth

Der Onlinehandel meldet seit Jahren fast stetig einen Wachstumsrekord nach dem anderen. Davon profitiert auch der Einzelhandel. Jeder achte Euro wird hier online generiert. Konsumenten nutzen parallel viele Kanäle – Filialen, Online-Shops, Kataloge, Apps oder Social Media. Um die Absatzkanäle zielgruppengerecht bedienen zu können, kommt einer nahtlosen Vernetzung der verschiedenen Kanäle eine Schlüsselrolle zu. Sie bieten letztlich auch die Chance für den stationären Handel, sich gegenüber reinen E-Commerce-Anbietern wie Zalando zu positionieren.

Voraussetzung ist jedoch, dass die komplexen Zusammenhänge verstanden und umgesetzt werden können. Politik und Wirtschaft haben auf diese Situation reagiert: Deutschland bekommt den ersten Ausbildungsberuf für die digitale Wirtschaft. Von August 2018 an können alle Betriebe, die Onlinekanäle für den Vertrieb ihrer Waren und Dienstleistungen nutzen, Kauffrauen und Kaufmänner im E-Commerce ausbilden. Der Beruf steht nicht nur dem Groß- und Einzelhandel offen, sondern auch Reiseveranstaltern, Ticketing-Dienstleistern, der herstellenden Industrie oder Onlinespiele-Anbietern. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

„E-Commerce ist für junge Menschen attraktiv. Wir gehen davon aus, dass sich auch Abiturienten dafür interessieren, die bislang Ausbildungsberufe gemieden haben und an die Hochschulen gegangen sind“, sagt Gero Furchheim, Präsident des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh).

Zurzeit sieht die Situation nach Recherche des Verbandes wie folgt aus: Von den über 18 400 Studiengängen, die man an deutschen Fachhochschulen und Universitäten einschlagen kann, befassen sich nur 99 im weitesten Sinne mit dem Onlinehandel und digitalen Geschäftsmodellen. Das sind 0,5 Prozent aller Studiengänge. Deshalb ist es wichtig, dass auch in den Hochschulen E-Commerce stärker reflektiert wird.

Neben der Möglichkeit, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, bieten sich für Interessenten nun neue Optionen. Die Ausbildung bedeutet aber auch neue Inhalte zum Beispiel für Berufsschullehrer. Deshalb stellen sich Betriebe als Anlaufstellen zur Verfügung, in denen die Lehrer die Praxis erleben können. Daraus entwickeln sie die Lernsituationen für den Schulunterricht.

„Wir können endlich genau das ausbilden, was wir jeden Tag leben. Die bisher ausgebildeten Berufe hatten viele Pflichtinhalte, die wenig mit unserer Branche zu tun hatten“, so Furchheim.

Der Verbandschef erhofft sich durch die neue Ausbildung auch in anderen Bereichen eine Initialzündung. „Es ist unser großer Wunsch, dass Entrepreneurship in den Mittel- und Oberschulen stärker als Karrieremöglichkeit aufgezeigt wird. E-Commerce ist heute das, was Versandhandel vor 70 Jahren war – eine Möglichkeit, ein eigenes Geschäft aufzubauen.“

Fakten

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) ist der E-Commerce-Verband und damit die Branchenvereinigung der Interaktiven Händler (d. h. der Online- und Versandhändler). Dem bevh gehören derzeit 500 Unternehmen an. Er unterstützt Unternehmen bei Fragen rund um den neuen Ausbildungsberuf „Kauffrau/Kaufmann im E-Commerce“.

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Journalist

Helge Stroemer

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