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Sensorik umfasst die Schaufensteranalyse: Wie viele Personen haben sich wann und wie lange das Fenster angesehen? HANDEL

Durch Instore Analytics mehr über Kundenaktivität erfahren

Anonyme Kundenerkennungen helfen dem Einzelhandel bei Strategien für Marketing und Verkauf.

Wer einen Onlinehandel betreibt, hat gläserne Kunden, denn er erhält problemlos detaillierte Informationen über die Besucher seiner Webseite. Der „Weg“ des Besuchers der Seite lässt sich genau verfolgen: Was sieht er sich an, bei welchem Produkt, Foto, Text oder Video bleibt er länger, welche Buttons klickt er an, wo zögert er, was kommt in den Warenkorb, was wird am Ende gekauft, wie bezahlt?

Gegenüber dieser Analyse seiner Klick-Kunden hat es der Einzelhandel schwer, doch er holt auf. Wurde jahrelang meist nur mit einem über der Tür angebrachten Frequenzmesser die Anzahl der täglichen Besucher aus Fleisch und Blut gezählt, so lassen sich mittlerweile durch mehrere Möglichkeiten konkrete Kundenaktivitäten innerhalb der Verkaufsfläche messen: Bei anonymen Messungen durch 3D-Sensoren können sich bewegende Personen als solche wahr genommen, also „getrackt“, werden. Diese Sensoren werden an der Decke angebracht, wobei es keine Rolle spielt, ob diese 2,50 Meter oder 20 Meter hoch ist. In einem 3D-Sensor befinden sich zwei Linsen, die von oben die Köpfe erkennen – aber keine Gesichter, sodass dieses Tracking aus Sicht des Datenschutzes kein Problem darstellt. 

Üblicherweise werden zwei bis drei Sensoren auf 30 Quadratmetern Ladenfläche an die Decke montiert. Bei großer Verkaufsfläche werden sie zusammengeschaltet. Diese Sensorik umfasst auch die Schaufensteranalyse: Wie viele Personen haben sich wann und wie lange das Fenster angesehen? Parallel dazu wird an den Hot Spots gemessen. Diese Korrelationen können zusammen mit Umsatzzahlen der beworbenen Produkte zur Messung von Kampagnen verwendet werden. Interessant sind auch Analysen von Warteschlangen an Umkleidekabinen und vor den Kassen. 

Als zweite Möglichkeit lässt sich passives WiFi Tracking einsetzen. Verglichen mit 3D-Sensoren liefert es allerdings viel zu ungenaue Daten. Wie das funktioniert? Jedes Mobiltelefon schickt ungefragt seine MAC-Adresse los, auf die die Router der Umgebung antworten, indem sie auf dem Bildschirm aufploppen um dem Mobiltelefonbesitzer die Verbindung anzubieten. 

Wird zur Instore Analytics WiFi Tracking genutzt, wird dieser Prozess zweckentfremdet, indem die Mobilnummer aufgefangen wird und dadurch die Information „Kunde“ vermittelt wird. 

Dadurch lässt sich der Weg der getrackten Person ansatzweise verfolgen. Allerdings senden Mobiltelefone ihre Daten nicht ununterbrochen aus, zudem hat ein großer Hersteller vor kurzem die Nummern anonymisiert, sodass sich nicht mehr erkennen lässt, ob sich nun eine oder aber 20 Personen im Laden befinden. 

Deshalb fällt WiFi Tracking eher unter das Stichwort Spielerei, die sich vielleicht auf Flughäfen und Bahnhöfen als unterstützende Maßnahme lohnen könnte, für den Einzelhandel aber nur sehr bedingt geeignet ist. 

Die dritte Option ist die Gesichtserkennung, was die meisten Deutschen aber ablehnen.

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Journalist

Katja Deutsch

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