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Gregor Wolf, Geschäftsführer beim Bundesverband des Deutschen Exporthandels e.V. ENTWICKLUNG

Digitalisierung und Export noch nicht im Gleichschritt

„Bereits heute sichert der Export jeden vierten Arbeitsplatz.“

Der Außenhandel ist die tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft und das wird sie in Zukunft auch bleiben. Bereits heute sichert der Export jeden vierten Arbeitsplatz.

Ein besonderes Merkmal der deutschen Exportwirtschaft besteht darin, dass die Möglichkeiten im Außenhandel gerade auch von kleineren und mittleren Unternehmen genutzt werden. So waren zuletzt ungefähr 350.000 KMU als Exporteure und 520.000 KMU als Importeure aktiv. 

Neue Technologien und Akteure verändern das Gesicht des Außenhandels. Internet und Digitalisierung führen zu einem extrem hohen Maß an Transparenz – aber nicht weniger komplexen Wirtschaftsabläufen. Damit einher geht eine ungemeine Informationsflut über Preise, Produktqualitäten oder aber auch Herstellungsbedingungen. Diese Informationen einzuordnen und zu bewerten oder gar Prozesse in fernen Ländern zu beeinflussen, ist deutlich schwieriger. Damit wächst die Kluft zwischen Ansprüchen und (Einfluss-)Möglichkeiten. Eine Leistungsschau deutscher Ingenieurskunst im Internet oder auf Messen ist das eine. Die Umsetzung des Ausfuhrgeschäfts oder auch die Beschaffung benötigter Qualitäten zum richtigen Zeitpunkt verlangen auch weiterhin Spezialisten. Hier arbeiten Industrie und Handel stets Hand in Hand.

Mit den weltweiten Globalisierungsprozessen gehen globale Wertschöpfungsketten einher und die Anzahl und Komplexität der Prozesse steigt immer weiter. Handelshemmend wirken nicht mehr nur Zölle auf ein Endprodukt, sondern jedwede bürokratische Maßnahme, die abweichend von internationalen Normen und Standards an Stellen in diesen Lieferketten verlangt wird.

Bedauerlicherweise können die bestehenden multilateralen Regelwerke bei der Anpassung nicht mithalten und der Wirklichkeit so eben auch nicht gerecht werden. Sie führen daher in der Konsequenz zu regionalen Handelsabkommen. Stellvertretend dafür ist das Scheitern der Doha-Runde. Die Nichtteilnahme Chinas am OECD-Regelwerk ist ein anderes Beispiel, führt es doch zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen. 

Gleichzeitig ist eine zunehmende Regionalisierung von Handelsabkommen zu beobachten. Erstaunlich ist dabei, dass nicht nur die Anzahl der bilateralen oder plurilateralen Handelsabkommen ein Rekordniveau erreicht haben, sondern eben auch die Handelshemmnisse. Insbesondere der asiatische und pazifische Raum ist erfolgreich, sich in Form entsprechender Abkommen zu organisieren. Das TTIP-
Abkommen ist eine ideale Gelegenheit, um unsere Vorstellung eines freien, offenen und gerechten Welthandels durchzusetzen, denn noch haben Europa und die USA die entsprechende Wirtschaftsmacht, aber insbesondere auch eine breite gemeinsame Wertebasis. Es wäre bitter, wenn wir diese Chance aufgrund von diffusen Ängsten und Sorgen verpassen würden.

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Journalist

Gregor Wolf

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