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Martin Hägele ist Abteilungsleiter für Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, kurz Fraunhofer IPA genannt. PRODUKTION

Die Servicerobotik ist ein Wachstumsmarkt

Über das Benehmen des weißen Kerls lässt sich nicht klagen: Er benimmt sich so, wie man es von einem Diener erwartet, stets dezent im Hintergrund, wenn er nicht gebraucht wird, und allzeit guter Dinge. Dabei wiederholt er sogar die Kommandos, die man ihm gibt. Der wohlerzogene Helfer heißt Care-O-Bot, ist ein Serviceroboter und steht für die Vision eines Gentlemans, der künftig auch Alltagsaufgaben ausführen kann.

„Die Herausforderung ist, zahlreiche Komponenten zu einem unter allen Situationen verlässlich funktionierenden Ganzen zu integrieren.“

„Serviceroboter sind keine Zukunftsmusik mehr, ganz im Gegenteil: In einigen Fluren von Krankenhäusern sind bereits zahlreiche Robokuriere unterwegs und liefern beispielsweise Krankenhausessen aus“, erläutert Robotik-Experte Martin Hägele vom Fraunhofer IPA. Die Servicerobotik hat für den Leiter der Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme eine vielversprechende Zukunft: „Das liegt daran, dass sie unter anderem durch Fortschritte bei Rechnern und Sensoren mit dem Menschen immer besser kommunizieren und mit unbekannten Situationen klarkommen.“

Neben der aktuell steigenden Nachfrage nach Industrierobotern sieht Hägele ebenfalls einen Zuwachs bei Automatisierungslösungen in neuen Märkten wie der Landwirtschaft, der Logistik oder Gebäudereinigung. Die hier eingesetzten Serviceroboter verbessern die Wirtschaftlichkeit und die Arbeitsqualität, so Hägele und fährt fort: „Roboter ziehen aber auch immer mehr in unser persönliches Lebensumfeld ein.“

Serviceroboter werden dabei nach gewerblichem oder privatem Gebrauch unterschieden. Zu ersteren zählen unter anderem Landwirtschafts- oder Reinigungsroboter, fahrerlose Transportsysteme in der Logistik oder Medizinroboter in Chirurgie und Rehabilitation. Private Anwender nutzen die viel verbreiteten Rasenmäh- oder Staubsaugroboter, aber auch neue Entwicklungen für Unterhaltung oder Spiel. Während Serviceroboter für das gewerbliche Umfeld von eingewiesenem Personal bedient werden, adressieren Serviceroboter für die private Nutzung Anwender ohne Fachwissen, die diese Geräte intuitiv bedienen sollen.

Servicerobotik ist seit Jahren ein weltweit beachtlich wachsender Markt, der aktuell auch von einer ausgeprägten Startup-Kultur profitiert. „Wir haben ständig die aktuellen Entwicklungen, Technologien, Marktrends und Anbieter im Blick“, bemerkt Hägele. Das Wissen des Fraunhofer IPA fließt auch in die Zusammenarbeit mit der International Federation of Robotics (IFR), dem Verband der Roboterhersteller, ein, der jedes Jahr Marktanalysen publiziert und Roboterunternehmen weltweit zu Produkten, Umsatzzahlen und Prognosen befragt. Demnach stellen inzwischen über 620 Unternehmen unterschiedlichste Serviceroboter her, 28 Prozent davon gelten als Startups. Erst kürzlich sind die neuesten Zahlen für das Jahr 2015 erschienen, die den seit Jahren positiven Trend sowohl hinsichtlich verkaufter Einheiten als auch der Umsatzzahlen weiter bestätigen.

Hägele geht davon aus, dass sich die Servicerobotik künftig weiter verbreiten wird: „Zusammen mit der Industrie entwickeln wir Schlüsseltechnologien, die Serviceroboter noch leistungsfähiger machen; weiterhin gestalten wir ganze Systeme und innovative Praxisanwendungen. Bei den Schlüsseltechnologien geht es zum Beispiel um für uns Menschen einfache, für einen Roboter aber komplexe Funktionen, wie die sichere Bewegung in Alltagsumgebungen oder das Erkennen, Greifen und Handhaben von Gegenständen.“

Software ist der Schlüssel für die Robotik. „Die Herausforderung ist, zahlreiche Komponenten zu einem unter allen Situationen verlässlich funktionierenden Ganzen zu integrieren. Außerdem werden Roboter zunehmend Funktionen nutzen, die wir der künstlichen Intelligenz zuschreiben. So werden sie besser die Aufgabenausführung planen, Umgebungen und Objekte auch unter schwierigen Lichtverhältnissen wahrnehmen und sogar lernen. Möglich wird dies, indem der Mensch die Maschine instruiert oder sie selbst eigene ‚Erfahrungen‘ auswertet“, so Hägele. Die Entwicklung von Systemen umfasst auch die Gestaltung von Robotern, die neben ihrer Leistung durch einfache Bedienung und ein ansprechendes Äußeres überzeugen müssen. Besonders stolz ist man am Fraunhofer IPA auf den Care-O-bot, die Verkörperung eines Assistenten für die Erledigung von Alltagsaufgaben wie Hol- und Bringdienste oder einfache Haushaltsaufgaben. Aktuell ist er im Einzelhandel im Einsatz und begrüßt und informiert Kunden als charmanter elektronischer Gentleman.

Fakten

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Martin Hägele ist Abteilungsleiter für Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, kurz Fraunhofer IPA genannt. Die Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme entwickelt Schlüsseltechnologien und setzt diese in innovative Industrieroboter, Serviceroboter und intelligente Maschinen um.

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Journalist

Frank Tetzel

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