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Die großen Agrarbetriebe bewirtschaften inzwischen 59 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland. LEBENSMITTEL UND AGRAR

Die Jagd nach dem Ackerland

Im Jahr 2016 wechselten knapp 23 Prozent weniger Landwirtschaftliche Flächen den Besitzer als im Jahr 2015 (Quelle: Destatis). Dabei gingen besonders in Ostdeutschland die Verkäufe stark zurück.

Die Entwicklung und Veränderung der Landwirtschaft fordert unsere Bauern unternehmerisch, verlangt aber auch die Unterstützung von Verbrauchern und Politik.

Der Hunger nach Land in der Agrarwirtschaft ist ungebrochen. Immer größer werden die Betriebe, immer mehr ortsfremde Investoren kaufen die kleinen Agrarunternehmen auf. Das ergab eine Studie des bundeseigenen Thünen-Institutes. Hier wurden 853 Agrarunternehmen in 10 Ostdeutschen Landkreisen untersucht. Trotz rückgängiger Verkäufe ist die Nachfrage nach Ackerland weiter groß. Wer sind die aktuellen Eigentümer und wie hat sich die Struktur der Eigentümer verändert? Die Studie zeigte, dass überregional agierende Inverstoren in mehr als einem Drittel aller Betriebe über die Kapitalmehrheit verfügen. Zwar muss der Kauf von Agrarflächen in Deutschland durch die Behörden genehmigt werden, doch diese „share deals“ sind nicht gesetzlich reguliert. „Die Entwicklung führt dazu, dass das Grundstückverkehrsgesetz in Ostdeutschland faktisch zunehmend an Wirksamkeit verliert“, sagt Andreas Tietz, Wissenschaftler am Thünen-Institut für Ländliche Räume und Autor der Studie.

Seit dem ersten Januar 2018 wird die Möglichkeit zum Direkterwerb von Flächen in Deutschland weiter eingeschränkt. Die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) setzt das in Abstimmung mit den Landwirtschaftsministern im Bund und in den Ländern um. Zu oft wurden die für den Direkterwerb geltenden Grenzen für Pächter in der Vergangenheit überschritten.

In den letzten Jahren hat das Sterben der kleinen Höfe sich verlangsamt. Pro Jahr geben durchschnittlich 2,4 Prozent der Bauern auf, verkaufen oder verpachten ihr Land. Betriebe unter 5 Hektar landwirtschaftlicher Fläche werden dabei schon gar nicht mehr erfasst. Sie fielen bei der Agrarstrukturerhebung im Jahr 2007 aus der Statistik, sind aber auch zu vernachlässigen. Diese Betriebe erwirtschaften gerade mal ein Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen von Fläche und Vieh. Dagegen hat sich die Zahl der Betriebe mit mehr als 100 Hektar Fläche stark erhöht. Zwischen 2007 und 2016 um 4.800 Betriebe auf jetzt 36.600 Betriebe. Die großen Agrarbetriebe bewirtschaften inzwischen 59 Prozent der gesamten Landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland (Quelle: Deutscher Bauernverband im Situationsbericht 2017/2018). 

Einen neuen Trend im Verkauf oder der Pacht von Agrarimmobilien gibt es bei den Waldflächen oder den jagdlich nutzbaren Flächen. Besonders staatliche und institutionelle Investoren wie Banken oder Bodenbesitzgesellschaften sorgen für eine starke Nachfrage auf den Flächenmärkten. So verspricht zum Beispiel ein Holzbestand mit einer guten Qualität ab einer Fläche von 100 Hektar eine Rendite bis zu drei Prozent. Dafür lohnen sich die Investitionen durchaus. Wald ist wertbeständig, die Investoren partizipieren an einer künftigen Wertsteigerung und erwirtschaften laufende Einnahmen aus der jährlichen Holzernte. Hier sind die Flächen im Osten von Deutschland noch etwas günstiger zu bekommen als im Westen. 

Die BVVG hat in den neuen Bundesländern noch etwa 127.000 Hektar an landwirtschaftlichen Flächen und rund 7.700 Hektar an forstwirtschaftlichen Flächen zu privatisieren. 

Fakten

Laut Statista gab es im Jahr 2016 noch 275.400 Betriebe in der Landwirtschaft. Gute 5.000 weniger als im Vorjahr. Diese Betriebe bewirtschaften rund 16.7 Millionen Hektar Land, davon 71 Prozent als reines Ackerland. Die Größe der Flächen hat sich kaum verändert. Dagegen nahm die Zahl der Personengesellschaften (GmbH usw.) Ichvon 21.000 (2010) auf jetzt 26.000 (2016) Betriebe zu.

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Journalist

Jörg Wernien

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