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Die Gründerszene in Rhein-Ruhr geht ab

Lange Zeit galten Berlin und München als die deutschen Gründermetropolen. Doch mittlerweile zieht es immer mehr Startups in die Regionen.


Florian Nöll, Chef des Startup-Verbands

Bei den jungen Unternehmern werden die Städte im Gebiet Rhein-Ruhr immer beliebter – die Gründerszene in NRW wächst. Das zeigt auch der Startup-Monitor des Bundesverbands Deutsche Startups. Danach siedeln sich mehr als 14 Prozent der Neugründer im Raum Köln/Düsseldorf und im Ruhrgebiet an. „Die Entwicklung zeigt, dass sich das deutsche Startup-Ökosystem bewegt und branchen- und regionenübergreifend eine immer wichtigere Rolle übernimmt“, kommentiert der Chef des Startup-Verbands, Florian Nöll. „Und zwar nicht, weil Berlin schwächelt, sondern weil der Rest der Republik dem Vorbild folgt.“

Insgesamt haben 14,1 Prozent der untersuchten 1.224 Unternehmen ihren Sitz im Gebiet Rhein-Ruhr, im Vorjahr waren es noch 10,3 Prozent. Einer, der sich in der Gegend bestens auskennt, ist Torsten Jensen, NRW-Regionalsprecher und Vorstandsmitglied des Startup-Verbands. „Die Dichte an DAX-Konzernen und potenziellen Kunden birgt enormes Potenzial für Gründer und Startups. Über das Ökosystem finden sie schnell Zugang zu Kontakten und sie bekommen wertvolles Feedback, wenn sie ihre Produkte verbessern wollen. Zudem ist die Hürde für Pilotprojekte gering, da weite Anreisen entfallen“, sagt er. Ein weiterer Vorteil: Die Szene sei untereinander bekannt. So gebe es eine Reihe von Events, bei denen Erfahrungen, Wissen und Kontakte weitergegeben werden.

Insgesamt ist die Gründungs-Szene im Rhein-Ruhr-Gebiet vielschichtig. Neben Anbietern von digitalen Plattformen wie trivago oder Start-ups aus dem E-Commerce sind etliche Medien- und agenturnahe Dienstleister zu finden. Aber auch Themen wie InsurTech, Künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge nehmen zu. 


Torsten Jensen, NRW-Regionalsprecher und Vorstandsmitglied des Startup-Verbands

Wie Jensen berichtet, werden Köln und Düsseldorf derzeit am stärksten in der Region wahrgenommen. „Durch die geographische Nähe kann man als Gründer die Vorteile mehrerer Städte genießen. Digital Hubs helfen, das Ökosystem auch in den anderen Gebieten stärker zu vernetzen“, weiß er. Das „Pirate Summit“ in Köln schaffe es sogar, Gründer aus der ganzen Welt anzuziehen.

Zu den derzeit wichtigsten Entwicklungen zählt der Branchenkenner die Digital Hubs NRW. Dabei handelt es sich um eine Schlüsselmaßnahme der Strategie der Digitalen Wirtschaft der Landesregierung. In den nächsten fünf Jahren stellt das Land bis zu 12,5 Millionen Euro zur Verfügung. Jeder Hub kann maximal 1,5 Millionen Euro Förderung für drei Jahre erhalten – mit einer Verlängerungsmöglichkeit von zwei Jahren. Die Regionen steuern einen Eigenanteil in gleicher Höhe bei. Sehr aktiv bei der Unterstützung von Gründern sind auch die DWNRW Networks, der InsurTech Hub Cologne und die InsurTech Week. Daneben gibt es eine Vielzahl von Coworking Spaces, die Gründer zusammenbringen.

Doch es gibt auch Nachholbedarf. „Genau wie auf Bundesebene benötigen die Gründer hier Kapital und den Zugang dazu“, so die Erfahrung von Jensen. Ein positiver Trend sei aber in Sicht, etwa durch Unternehmen wie Henkel, die eigene Venture Fonds auflegen oder bereits am Markt aktiv sind (Ströer). 

Für Jensen steht fest, dass NRW die ersten Weichen für eine digitale Zukunft gestellt hat. Jetzt heiße es, weiter Fahrt aufzunehmen und den Kurs zu halten: „Es bleibt spannend, was die vergangenen Wahlergebnisse für Auswirkungen auf die Gründerszene in NRW hat.“ 

Fakten

Torsten Jensen ist NRW-Regionalsprecher und Vorstandsmitglied des Startup-Verbands sowie Manager Digital Innovation bei Ernst&Young. Als Dozent teilt er sein Wissen über digitale Geschäftsmodelle und Online-Trends an diversen Hochschulen. Zudem gehört er zum Botschafterkreis der Digitalen Wirtschaft NRW.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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