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Die Bauwirtschaft muss die Chancen der Digitalisierung stärker nutzen

Unser Land steht in den kommenden Jahren vor großen Bauaufgaben.


Dipl.-Ing. Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Foto: Stockberg

Unser Land steht in den kommenden Jahren mit der Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur und der Schaffung von kostengünstigem Wohnraum vor großen Bauaufgaben.

Der von Bundesverkehrsminister Dobrindt eingeläutete Investitionshochlauf im Bereich der Verkehrswege des Bundes zeigt Wirkung: Bundesgelder stehen bereit. Allerdings sind nicht genügend baureife Projekte vorhanden. Jetzt rächt sich, dass die Straßenbauverwaltungen der Länder in den vergangenen Jahren ihre Ingenieur- und Managementkapazitäten zurückgefahren haben. Wenn wir jetzt schnell vorankommen wollen, muss die Frage nach der Arbeitsteilung zwischen öffentlicher und privater Seite neu gestellt werden. Das heißt, alte Leitbilder, wie die Trennung von Planung und Bauen und der Vorrang der Teil- und Fachlosvergabe gegenüber der zusammengefassten Vergabe, müssen überprüft werden. Mehr noch: Es müssen verstärkt innovative Vertragsmodelle wie die Beauftragung von Bau- und Planungsleistungen aus einer Hand, die Vergabe von kombinierten Bau- und Instandhaltungsleistungen, aber auch ÖPP im Verkehrswegebau zum Zuge kommen.

Neben der Erneuerung unserer Infrastruktur steht auch die Lösung der Wohnraumprobleme in unseren Ballungszentren ganz oben auf der Agenda. Obwohl wir seit 2009 die Zahl der fertiggestellten Wohnungen auf etwa 320 000 Einheiten verdoppelt haben, bleiben wir nach wie vor deutlich hinter dem Bedarf von 400 000 Wohnungen per anno zurück. Vor allem fehlt es an Mietwohnungen für untere und mittlere Einkommensschichten.

Um die notwendigen Wohnungen schnell, in guter Qualität und zu bezahlbaren Preisen auf den Markt zu bringen, müssen wir zu einer stärkeren Industrialisierung des Wohnungsbaus kommen. Statt teure Unikate zu fertigen, müssen künftig stärker Prototypen entwickelt werden, die deutschlandweit in Serie umgesetzt werden können. Nur so lassen sich die Beschleunigungs- und Kostensenkungseffekte erzielen, die wir heute brauchen.

Um all diese Herausforderungen zu meistern, muss die Bauwirtschaft die Chancen der Digitalisierung stärker nutzen. Die Digitalisierung aller Planungs- und Bauprozesse, d. h. die Verknüpfung aller Planungs- und Baudaten in einem virtuellen Bauwerksdatenmodell, birgt gerade in der „Wertschöpfungskette Bau“ mit ihren komplexen Planungs- und Prozessabläufen große Innovations- und damit auch Rationalisierungspotenziale. Voraussetzung dafür ist jedoch die Entwicklung einheitlicher Standards, Normen und Schnittstellen.

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Journalist

Dipl.-Ing. Peter Hübner

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