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Dr. Dagmar Dirzus vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) PRODUKTION

Daten gleich Gewinn

„Sie müssen sich öffnen.“ So fasst Dr. Dagmar Dirzus vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die Anforderungen an mittelständische Unternehmen zusammen, die infolge der Digitalen Transformation auf diese zukommen werden. Die Maschinenbau-Ingenieurin leitet beim VDI die Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) und ist Expertin für Digitale Transformation.

Die sieht sie als Chance für Firmen, neue Einnahmen mit Daten zu generieren, die von vernetzten Maschinen erhoben werden. Sei es in einem Stahlwerk, einem Kühlschrank, einer Bohrmaschine oder einem Auto. Der Wandel sei aber auch eine Gefahr für Unternehmen, die nicht oder zu langsam reagieren. Die Digitale Transformation komme schnell „und sie betrifft jeden, alle Branchen und alle Lebensbereiche. Sie macht nicht an der Tür eines Unternehmens halt.“

Umfragen würden zeigen, inzwischen wüssten 40 Prozent der Firmenchefs, dass „die Kombination von Produkt und Dienstleistung, ermöglicht durch die Digitale Transformation, der Weg in die Zukunft ist“. Es gehe nicht mehr darum, eine möglichst perfekte Maschine zu verkaufen sondern mit Dienstleistungen rund um diese in der Folge Geld zu verdienen. Etwa fünf Prozent der Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU), die in Deutschland das Rückgrat der Wirtschaft bilden, sieht Dirzus „als Vorreiter, die bereits digitale Möglichkeiten adaptiert haben“. Alter spiele dabei keine große Rolle. „Unter den Vorreitern sind auch typische Hidden Champions aus dem Schwarzwald, mit Firmenchefs über 60 Jahren, die begonnen haben, Sensoren in ihre Messinstrumente einzubauen“, so Dirzus.

Wer jetzt nicht umschalte, laufe Gefahr, in Zukunft nur noch eine verlängerte Werkbank zu sein. Und Dirzus weiter: „Selbst wenn sie der King in ihrer Branche sind, zum Beispiel den besten Kunststoff von allen für die verschiedenen Märkte herstellen, droht Gefahr, wenn sich Plattformen entwickeln, auf denen andere Anbieter ihr Wissen teilen.“

Unternehmen müssen näher an die Endkunden ran. Bisher gab es meist Groß- und Zwischenhändler, die Teile des Gewinns machten und Kontakt zum Endkunden hatten. „In Zukunft geht es aber darum, selbst den Kundenkontakt zu halten. Man muss die Kunden verstehen, damit man die richtigen Produkt-Service-Kombinationen anbieten kann, bezogen auf Ort, Zeit und Leistung.“ Zum Beispiel könne man anhand der Daten, die eine verkaufte Maschine erzeugt, dem Kunden Vorschläge machen, wie er mit weniger Energie oder Rohstoffen schneller und kostengünstiger arbeitet. Also ihm einen Stromfresser benennen oder Produktionsausfall verhindern oder einen Punkt in der Produktion, an dem zu viel Verschleiß entstehe. Oder mit einem Service dem Kunden einen ungeliebten oder zeitraubenden Prozess abzunehmen. Dirzus: „Wenn sie nur die Maschine liefern, werden sie austauschbar.“

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Journalist

Christian Litz

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