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Bürogebäude smart und sexy machen – Coen van Oostrom

OVG-Gründer Coen van Oostrom baut die nachhaltigsten, smartesten und coolsten Bürogebäude der Welt. Wie macht er das? 

Das Schwierigste war wirklich, die Denkweise der Menschen zu ändern, die an der Planung beteiligt waren.

Warum nicht? Das ist die Frage, die Coen van Oostrom am häufigsten gestellt hat. Aufmerksam und nachdrücklich. An Architekten, Elektriker, Lieferanten, Umweltschützer, Nachbarn gerichtet. Und sehr oft an Mitarbeiter der zuständigen Baubehörden. Warum nicht ein Bürogebäude bauen, das über zwei Dächer verfügt – ein Dach voller Solar-Panels und eines für Bienen und Fledermäuse? Warum nicht eine völlig neue LED-Technik einbauen, die an einen Tageslicht-, Temperatur-, Infrarot- und Bewegungssensor gekoppelt ist? Und warum nicht Heizung und Kühlung koppeln, indem zwei Grundwasserpumpen mithilfe selbst erzeugter Solarenergie je nach Außentemperatur warmes oder kaltes Wasser in oder aus dem Gebäude befördern? Dieses Heat-Recovery-Ventilation-System würde für ein angenehmes Innenklima bei jeder Temperatur sorgen. Und schließlich – warum nicht ein Bürogebäude bauen, bei dem jedes einzelne Detail durch den Einsatz modernster Technik nachhaltig wäre? 

Als der tatkräftige Niederländer Coen van Oostrom vor zehn Jahren den US-amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore und seine Dokumentation „An Inconvenient Truth“ sah, da war ihm klar, dass er von jetzt an nur noch nachhaltig bauen würde. Mit seiner Gesellschaft OVG Real Estate nimmt Coen van Oostrom seitdem die Dinge in die Hand und versucht erfolgreich, zuständige Entscheidungsträger mit einer Mischung aus Argumenten, Zuhören und unerschöpflicher Energie zu überzeugen, um loslegen zu können.

Mit „The Edge“, dem nachhaltigsten Gebäude der Welt mit der höchsten jemals vergebenen BREEAM-Bewertung (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) von 98,36 %, hat er ein grandioses Statement gesetzt, in dem sich brandneue Technologie und Nachhaltigkeit auf perfekte Art und Weise vereinen.

„Das Schwierigste war, die Denkweise der Menschen zu ändern, die an der Planung von ‚The Edge‘ beteiligt waren“, erklärt der wache Geschäftsmann Coen van Oostrom. „Denn manchmal vergessen wir etwas sehr Wichtiges: Vertrauen!“ OVG ist beispielsweise das erste Unternehmen, das den von Thyssen entwickelten Fahrstuhl „Multi“ einsetzen wird. Dieser funktioniert ohne die üblichen Seile und lässt sich auch horizontal einsetzen. Doch wird er wirklich funktionieren? „Ich fand die Idee großartig, aber mein Team war ein bisschen skeptisch. Jedenfalls wäre „Multi“ eine Möglichkeit, die Mobilität in Großstädten gravierend zu verändern.

„Wir arbeiten viel mit international tätigen Unternehmen und haben in Deutschland für Zalando gebaut“, erzählt Coen van Oostrom. „Hier haben wir mit extrem smarten und flexiblen Menschen zu tun. Ich sage immer: Unterschätze im globalen Wettbewerb nicht die Deutschen! Sie verfügen über hervorragendes Ingenieurswissen, sind international ausgebildet und sehr offen.“

The Edge zieht reihenweise junge, hippe Menschen in seinen Bann, die unbedingt darin arbeiten möchten. Gibt es ein Detail, das noch besser sein könnte? „Oh ja“, erklärt Coen van Oostrom. „Der Eingang hat immer noch eine Rezeption, an der sich die Mitarbeiter ausweisen. Das führt jeden Morgen zu unnötigen Wartezeiten, deshalb werde ich das ändern und eine Art Barcode einführen.“

Wenn man heute Gebäude oder ganze Stadtviertel plant, benutzt man den digitalen Weg des Designs und arbeitet mit Building Information Modelling, kurz BIM – das unter anderem eine Datenbank für alle weltweit angebotenen benötigten Bauteile beinhaltet. Durch BIM lässt sich bei jeder Design-Entscheidung auf das jeweils nachhaltigste und beste Produkt zugreifen.

Was Elon Musk mit E-Mobility macht, schafft Coen van Oostrom mit Bürogebäuden: sie nachhaltig und dabei sexy zu machen. „Wenn wir es schaffen, in jeder großen Stadt ein ‚Edge‘ zu bauen, dann wird das auf die gesamte Bauweise der Stadt ausstrahlen“, ist sich der Niederländer sicher. „Wir könnten in fünf oder zehn Jahren dasselbe mit Hotels machen, vielleicht auch mit Krankenhäusern – Gebäude für viele Tausend Menschen, mit denen sich jede Menge Energie und Ressourcen sparen lassen.“ 

In Asien entstehen gerade viele neue Megastädte. Es scheint dort wesentlich einfacher zu sein, diese smart zu machen, denn man kann an vielen Punkten von Anfang an nachhaltiges technisches Know-how einsetzen. „Das betrifft auch den Verkehr, der in Metropolen einfach entsetzlich ist! Allein um die Millionen privater Lieferungen täglich einfacher zustellen zu können, wird man Landeplätze für Drohnen benötigen. Das beachten wir bei der Planung.“

Viele fragen sich, warum Coen van Oostrom so enorm risikofreudig ist. „Ich glaube, wir sind in unserem Unternehmen manchmal wie kleine Jungs. Wir probieren wahnsinnig gerne Neues aus und machen dabei jedes Mal die Welt ein bisschen besser!“

Fakten

Coen van Oostrom wurde 1970 im niederländischen Houten geboren. Im Jahr 1997 gründete er OVG Real Estate, mittlerweile eines der erfolgreichsten europäischen Projektentwicklungsunternehmen für extrem nachhaltige und technisch avantgardistische Bürogebäude mit Niederlassungen in Amsterdam, New York und Berlin. Er fährt einen Tesla und einen BMW Hybrid.

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Journalist

Katja Deutsch

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