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„HAUSANWÄLTE KENNEN DIE WESENTLICHEN STELLHEBEL EINER M&A-TRANSAKTION NICHT“, SAGT PROFESSOR DR.-ING. KAI LUCKS, VORSTANDSVORSITZENDER DES BUNDESVERBANDS MERGERS & ACQUISITIONS E.V.

Beratung von Experten ist unverzichtbar

Bei der Nachfolge der Führung und beim Verkauf mittelständischer Unternehmen drohen viele Gefahren. Die Hilfe des Hausanwalts reicht da nicht aus.

Die mittelständischen deutschen Familienunternehmen befinden sich mitten in einer Umbruchphase. Viele Gründerväter und -mütter wollen in den Ruhestand gehen, schließlich gibt es ja auch noch anderes im Leben als die Arbeit. Doch der Übergang innerhalb der Familie oder beim Verkauf ist eine knifflige Sache. „Schlecht vorbereitet kann sie schnell zum Untergang des Unternehmens führen“, sagt Professor Kai Lucks, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Mergers & Acquisitions e.V. (BVMA). Und das ist das Letzte, was sich die Firmenchefs wünschen.

In Deutschland gibt es rund 3,1 Millionen Unternehmen in der Größenordnung von einer Person zu einem Umsatz von 50 Milliarden Euro pro Jahr. Davon suchen etwa 35.000 pro Jahr einen neuen Firmenchef oder eine Chefin. In den rund 6.000 Konzernen ist die Nachfolgeregelung in der Führungsfrage häufig im Tagesgeschäft verankert. „Das Unternehmen kann da für gewöhnlich auf die zweite Führungsebene zurückgreifen“, so Lucks. Schwieriger sieht das aber bei den kleinen, familienbasierten Unternehmen aus. „Das gilt nicht nur für den kleinen Handwerksbetrieb, sondern auch für solche Unternehmen, die immerhin um die 100 Mitarbeiter haben.

Lucks rät, auf jeden Fall längerfristig zu planen. „Fünf Jahre vor der geplanten Firmenübergabe sollte man schon damit beginnen, den potenziellen Nachfolger auf die neue Aufgabe vorzubereiten“. Wichtig seien neben guter Beratung von echten Experten ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Chef und Nachfolger. „Wenn es das nicht gibt, entscheidet sich der bisherige Chef oft, doch länger zu bleiben und der geplante Nachfolger scheidet frustriert aus dem Unternehmen aus. Die Zukunft ist dann völlig ungeklärt“.

Fehlt ein Nachfolger aus der eigenen Familie, bleibt der Verkauf des Unternehmens im Rahmen einer M&A-Transaktion, wobei M&A für Mergers und Acqusitions steht. „Auch hier gilt: unbedingt auf professionelle Beratung zurückgreifen“, mahnt Lucks. Der Hausanwalt oder Steuerberater sei nicht genügend qualifiziert für so eine schwierige Aufgabe. „Sie kennen einfach die wesentlichen Stellhebel einer M&A-Transaktion nicht“. Die Gefahr eines Abbruchs der Transaktion – oft noch ganz kurz vor dem geplanten Abschluss – sei dann sehr groß. Lucks bevorzugt Investmentbanken oder sogenannte M&A-Boutiquen als Berater. „Von Maklern rate ich dagegen eher ab.“

Nicht selten sei ein Problem, dass die Verkäufer viel zu hohe Erwartungen an den Erlös haben. Der Käufer auf der anderen Seite – der zum Beispiel ein bisheriger Kunde oder Konkurrent sein kann – habe unterschiedliche strategische Erwartungen: eine nachhaltige Rendite, die Hoffnung auf Wachstum oder Synergieeffekte mit seinem eigenen Unternehmen oder ein regionaler Ausbau zum Beispiel. Kommt er aus dem EU-Ausland oder gar aus den USA oder Fernost, verbindet er mit dem Kauf die Erwartung, in Deutschland Fuß zu fassen oder deutsche Produkte in seinem Heimatland anbieten zu können.

Gute Erfahrungen verbindet Lucks mit chinesischen Käufern. „Sie sind treue und faire Investoren, zahlen gute Kaufpreise und restrukturieren normalerweise das Unternehmen nicht“. Im Vergleich zu den viel rigideren Käufern aus den USA liegen die Übernahmen aus China mit 20 bis 30 pro Jahr (USA etwa 130) allerdings noch niedrig. Lucks: „Die Zahlen zeigen, dass aus China keine Gefahr für Deutschland droht.“

Fakten

Einen Nachfolger für das Familienunternehmen zu finden oder eine M&A-Transaktion erfolgreich durchzuführen, ist ein schwieriges Geschäft. Zur Unterstützung sollten unbedingt Experten wie Investmentbanken oder M&A-Boutiquen herangezogen werden, sagt Professor Kai Lucks vom BVMA.



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