Weekly News

Bauer sucht Bauer

Immer mehr Landwirtschaftsbetriebe suchen Nachfolger, immer mehr junge Leute suchen Höfe. Bei der Übergabe zählen gute Ausbildung und Businesspläne.

Die Weitergabe eines Bauernhofes von einer Generation auf die nächste ist inzwischen keine Selbstverständlichkeit mehr. Doch während Bauernkinder aus der Landwirtschaft herausstreben, gibt es immer mehr junge Menschen, die sich den Traum vom eigenen Hof erfüllen wollen.

So ist es denn kein Wunder, dass inzwischen zahlreiche, oft regionale Hofbörsen im Internet versuchen, Alt- und Jungbauern zusammenzubringen. Sie bieten darüber hinaus auch umfassende Beratungen und vor allem die besonders wichtige Mediation zwischen den Interessenten an.

Bei der Übergabe eines Hofes spielen nämlich nicht allein der Vermögenswert und die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Für Altbauern geht es um menschliche und zwischenmenschliche Emotionen und traditionelle Werte. Jungbauern dagegen schauen auf die Möglichkeiten, die ein Hof für die Umsetzung neuer Ideen und Innovation bietet.

Letzten Endes ist die Übernahme eines landwirtschaftlichen Betriebes jedoch nichts anderes als eine Existenzgründung – allerdings in einem der kapitalintensivsten Wirtschaftsbranchen. Für einen einzigen Mitarbeitenden muss ein Jungbauer mit einer Investition von fast einer halben Million Euro rechnen. Das geht nicht ohne Businessplan.

Es gibt viele Arten, auf die ein Landwirtschaftsbetrieb weitergeführt werden kann. Zwar sind noch 89 Prozent aller Höfe Familienbetriebe, aber ihre Zahl sinkt seit 2010 stetig. Dafür steigt die Zahl der Personengesellschaften, also Gesellschaften bürgerlichen Rechts oder Partnerschaftsgesellschaften, oft in der Kombination Altbauer und Jungbauer. Die Weiterführung als juristische Personen, wie GmbHs oder Aktiengesellschaften, ist zwar möglich, aber eher selten und nur bei Großbetrieben sinnvoll.

„Der tägliche Umgang mit Tieren, das Arbeiten mit Hightech und das Erzeugen von Mitteln zum Leben, das sind die drei Punkte, die beim heutigen Beruf Landwirt durchaus eine hohe Attraktivität für die Berufswahl haben“, sagt Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes und Vorsitzender von dessen Fachausschusses für Berufsbildung und Bildungspolitik. Zu dieser Vielfältigkeit zählen aber auch der Umgang mit Menschen, mit großen Maschinen, und mit betriebswirtschaftlichen Zahlen.

Vor letzterem darf ein Jungbauer nicht zurückschrecken, vor allem wenn es um Investitionen und die damit verbundenen Beziehungen zu Banken geht. Denn, genau wie die Altbauern, schauen sich Banken genau die Unternehmerpersönlichkeit und die Wirtschaftsfähigkeit des Übernahmebewerbers an. In diese Beurteilung fließen Schulbildung, absolvierte Aus- und Fortbildungen ein, oder gar ein Landwirtschaftsstudium. Da gibt es zahlreiche Möglichkeiten über die der Bildungsserver Agrar des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft einen umfassenden Überblick bietet (bildungsserveragrar.de).

Teile diesen Artikel

Journalist

Neo Nording

Weitere Artikel